{"id":914,"date":"2021-06-25T14:00:16","date_gmt":"2021-06-25T12:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lorena-hoormann.at\/?p=914"},"modified":"2026-05-05T14:47:58","modified_gmt":"2026-05-05T12:47:58","slug":"femicides-are-happening-here","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/en\/femizide-passieren-hier\/","title":{"rendered":"Femicides? Not here! \u2013 Discrimination and femicides concern us all, even in the workplace (a rant)"},"content":{"rendered":"Vor ein paar Jahren wurde ich gefragt, was ich am meisten daran liebe eine \u201eFrau\u201c zu sein. Und was soll ich sagen? Ich habe keine Antwort darauf gefunden. Ich habe lange \u00fcberlegt, aber nichts Positives in meinem Leben, an mir oder in Zusammenhang mit anderen bringe ich damit in Verbindung eine \u201eFrau\u201c zu sein. Diese Erkenntnis hat mich damals sehr geschockt. Versteht mich nicht falsch, ich mag mein Leben und ich gehe in die Richtung, in die meine Vision mich leitet. Aber nichts davon hat damit zu tun, dass ich eine \u201eFrau\u201c bin. Und betrachte ich es umgekehrt hatte fast jegliche negative Erfahrung etwas damit zu tun. Zumindest damit, welches Bild einer Frau besteht und welche Handlungsweisen erwartet, welche Umgangsweisen gepflegt werden, wie sehr frau abgewertet wird und wieviel \u201eaushalten m\u00fcssen\u201c damit verbunden ist. Mit dieser Rolle \u201eFrau\u201c.\r\n\r\nJetzt denkt ihr vielleicht, dass dieser Umstand ja nichts mit dem Thema der \u00dcberschrift zu tun hat. Aber da widerspreche ich. Denn der Femizid ist nur die Spitze eines Eisbergs, der seinen Anfang viel unscheinbarer nimmt.\r\n<h2><strong>Das steckt hinter dem Begriff Femizid<\/strong><\/h2>\r\n<a href=\"https:\/\/www.franziskamariaproell.de\/femizid-feminizid-begriffsunterschied\/\">Femizid und Feminizid<\/a> sind Begriffe, die beide den Mord durch M\u00e4nner an Frauen*, weil sie Frauen* sind bezeichnen. Der Begriff \"Femizid\" wurde 1976 durch die Soziologin Diana Russell gepr\u00e4gt. Der Begriff \"Feminizid\" ist eine Erweiterung aus den Jahren 2005\/2006 durch die Anthropologin Marcela Lagarde. Das erg\u00e4nzende \"ni\" in der Mitte bezieht hier zus\u00e4tzlich auch die gesellschaftliche Ebene mit ein, durch die derartige Frauen*morde nicht nur strukturell beg\u00fcnstigt werden, sondern T\u00e4ter oftmals auch nicht bestraft werden <a href=\"https:\/\/www.franziskamariaproell.de\/femizid-feminizid-begriffsunterschied\/\">(s. auch Artikel von Franziska Pr\u00f6ll \"Femizid oder Feminizid - was ist der Unterschied?\" vom 15.6.2020<\/a>). Ich werde hier \u00fcberwiegend den Begriff Femizid verwenden, da dieser aktuell der gebr\u00e4uchlichere Begriff zur Bezeichnung von Frauen*morden dieser Art in Europa ist. Der Begriff Feminizid wird vorwiegend im lateinamerikanischen Raum verwendet (feminicido) und hat bisher nur wenig Eingang in eruop\u00e4ische Berichterstattungen gefunden.\r\n<h2><strong>Femizide passieren ganz weit weg \u2013 Oder?<\/strong><\/h2>\r\nFemizide. Das ist etwas, das \u201eweit weg\u201c passiert. Denn es ist unvorstellbar, dass die absichtliche Ermordung aufgrund des Geschlechts dort geschieht, wo ich lebe und mich wohlf\u00fchle. Feminizide. Nicht hier. Das ist etwas aus dem Fernsehen aus den Nachrichten von weit her. Frauen*morde. Nicht hier. Etwas, dass es nur woanders gibt und nicht im \u201eeigenen Land\u201c. Strukturell bedingte Gewalt an Frauen*. Nicht hier. Wo alles so geordnet und \u201ezivilisiert\u201c ist. Die geschlechtsspezifische T\u00f6tung einer Frau. Nicht hier. Wo wir ein funktionierendes Kranken- und Sozialsystem haben. Mord aufgrund der Tatsache, dass mensch dem weiblichen Geschlecht angeh\u00f6rt oder als Frau gelesen wird. Nicht hier. In dieser offenen und \u201etoleranten\u201c Gesellschaft. Feminizid. Nicht in meiner Nachbarschaft, nicht in meinem Ort, nicht in meinem Land. Oder?\r\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: left;\">\u201eJede die will kann sein was sie will.\u201c \u201eJede ist f\u00fcr sich selbst verantwortlich.\u201c \u201eWer nicht will, hat schon.\u201c \u201eFrauen k\u00f6nnen gleichberechtigt sein, wenn sie nur wollen.\u201c \u201eSelbstgemachtes Leid.\u201c \u201eSelbst schuld, wenn sie aus einer gewaltt\u00e4tigen Beziehung nicht rausgeht.\u201c \u201eMan wird ja noch flirten d\u00fcrfen.\u201c \u201eStell dich nicht so an.\u201c \u201eSei doch nicht so hysterisch\u201c \u201eMittlerweile werden M\u00e4nner ja wohl diskriminiert\u201c \u201eImmer diese Frauenbevorzugung\u201c \u201eM\u00e4nner sind nun mal das st\u00e4rkere Geschlecht\u201c \u201eDas M\u00fctterliche der weiblichen F\u00fchrung tut Unternehmen gut\u201c \u201eEin richtiger Mann zeigt keine Gef\u00fchle\u201c \u201eM\u00e4nner brauchen k\u00f6rperliche Arbeit\u201c \u201eM\u00e4nner sind muskelbepackt, gro\u00df und stark\u201c \u201eEin richtiger Mann ist ein Besch\u00fctzer\u201c \u201eDu hast es gut, als Frau kriegst du alles, musst ja nur deine Reize einsetzen.\u201c<\/p>\r\nNicht weit weg. Frauen*verachtung. Die geschlechtsspezifische T\u00f6tung einer Frau*. Strukturell beg\u00fcnstigte und bedingte Gewalt an Frauen*. Mord aufgrund der Tatsache, dass mensch dem weiblichen Geschlecht angeh\u00f6rt oder als Frau gelesen wird. Ein ganz bestimmtes Bild des Mannes und einer \u201enat\u00fcrlichen Ordnung der Dinge\u201c. Femizid. Frauen*mord. Feminizid. Die absichtliche Ermordung aufgrund des Geschlechts. Diskriminierung und Ungleichbehandlung. Ganz nah. Hier. Genau hier.\r\n<h2><strong>Femizide sind kein Ergebnis von Pandemie und Lockdown<\/strong><\/h2>\r\nHier muss ich direkt etwas klarstellen, was derzeit vermehrt zu h\u00f6ren und zu lesen ist. Aktuell wird h\u00e4ufig die Pandemie als Grund f\u00fcr \u2013 wie es in den Medien h\u00e4ufig hei\u00dft \u2013 \u201evermehrte Gewalt an Frauen\u201c genannt. Aber dieses Argument ist viel zu kurz gegriffen. Die Gewalt war schon vorher da. Das was zu der Eskalation f\u00fchrt, das was so weit geht, dass eine Frau ermordet wird, weil ein (meist) <a href=\"https:\/\/queer-lexikon.net\/2017\/06\/15\/cis-mann\/\">Cis-Mann<\/a> sie nicht mehr \u201ebesitzen\u201c kann, hat den Ursprung nicht erst im M\u00e4rz 2020.\r\n\r\nEin Femi(ni)zid ist nicht \u201eauf einmal da\u201c aufgrund der Pandemie, eines Lock-Downs oder zu viel Stress. Es ist etwas, das langsam w\u00e4chst und dort besonders gut gedeihen kann, wo die Umgebungsbedingungen stimmen. Es vergeht viel Zeit, denn Femi(ni)zide sind keine spontanen Taten. Sie haben eine Vorgeschichte, die vor allem auch durch strukturelle Beg\u00fcnstigungen m\u00f6glich ist.\r\n\r\nFemi(ni)zide sind Morde, bei denen ein Mann eine Frau* aufgrund ihres Geschlechts t\u00f6tet. Bei den meisten dieser Morde handelt es sich um T\u00e4ter, die bereits angezeigt wurden wegen Bedrohungen, Stalking oder \u00e4hnlichem. Oft sind es Partner oder Expartner, enge Verwandte oder auch Freunde. Dabei spielt Frauen*hass eine Rolle, die \u00dcberzeugung, dass Frau* \"etwas\" ist, das Mann besitzt. Dass eine Frau* weniger \"wert\" ist als ein Mann.\r\n\r\nAusreichend Menschen und offizielle Stellen m\u00fcssen wegschauen oder dulden. Ausreichend M\u00e4nner m\u00fcssen denken, sie besitzen \u201eihre\u201c Frauen* und m\u00fcssen denken, es ist ok Frauen* zu schlagen, zu vergewaltigen, zu beschimpfen und zu t\u00f6ten. Ausreichend Frauen* m\u00fcssen es als normal empfinden sexistisch und diskriminierend behandelt zu werden. Und das ist kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches. Femi(ni)zide geschehen nicht pl\u00f6tzlich oder ohne Anzeichen, sie sind nur die Spitze des Eisbergs.\r\n<h2><strong>Frauen*morde sind kein \u201eneues Ph\u00e4nomen\u201c<\/strong><\/h2>\r\nIch wurde letztens gefragt, ob es neu sei, dass Femizide geschehen. Und ich verstehe diese Vermutung, denn es ist durchaus neu, dass sie auch in der \u00d6ffentlichkeit benannt und somit sichtbar werden. Aber nein, dass sie geschehen, das ist nicht neu. Es ist sogar alles andere als neu. Aber erst seit kurzem wird es als Femizid und Mord betitelt.\r\n\r\nFr\u00fcher hie\u00df es \"Ehedrama\", \"Beziehungsdrama\", \u201eFamilientrag\u00f6die\u201c oder \"Ungl\u00fcck\". Aber es ist kein Ungl\u00fcck. Es ist kein Ungl\u00fcck, wenn ein Mensch einen anderen Menschen ermordet. Es ist kein Drama, wenn ein Mann eine Frau t\u00f6tet, weil sie eine Frau ist. Es ist kein Theaterst\u00fcck. Es ist kein Schauspiel. Es ist Mord. Und es ist ein Symptom einer Gesellschaft, die Frauen und als Frauen gelesene, die all jene die nicht \"Mann\" sind, als minderwertig einstuft. Genau das wurde fr\u00fcher als Privatsache angesehen und das ist noch nicht lange her.\r\n\r\nWenn du jetzt kurz inneh\u00e4ltst und dar\u00fcber nachdenkst wie oft du diese Begriffe \u2013 Beziehungsdrama, Ungl\u00fcck, Ehedrama, Familientrag\u00f6die \u2013 schon in Schlagzeilen gelesen hast, dann wird dir wahrscheinlich ganz anders. Insbesondere wenn dir jetzt vielleicht bewusst wird, dass hinter den meisten dieser Schlagzeilen in Wirklichkeit Frauen*morde stecken. Erschreckend, oder? Aber es passiert. Femizide geschehen tagt\u00e4glich und eben nicht nur weit weg, weder r\u00e4umlich noch zeitlich, sondern genau hier und genau jetzt. Auch wenn es vor der \u00d6ffentlichkeit oft noch verborgen oder zumindest verharmlost wird. Es passiert. Und nur wenn wir hinsehen und aktiv werden, wird es sich \u00e4ndern.\r\n<h2><strong>Zahlen, Daten, Fakten zu Femiziden in Europa<\/strong><\/h2>\r\nWenn ich sage, sie geschehen hier und jetzt dann spreche ich nicht von \u201eirgendwo in Europa\u201c. F\u00fcr mich ist hier und jetzt Wien und \u00d6sterreich im Jahr 2021. Wusstest du, dass es in \u00d6sterreich bereits mehr als 14 Femizide in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2021 gab? Wusstest du, dass \u00d6sterreich als einziges EU-Land mehrmals in Folge mehr Morde an Frauen* als an M\u00e4nnern verzeichnet? Wusstest du, <a href=\"https:\/\/www.aoef.at\/index.php\/zahlen-und-daten\">dass im Jahr 2020 in \u00d6sterreich 31 Femizide gez\u00e4hlt wurden und im Jahr davor 39<\/a>?\r\n\r\nAber Femizide sind nicht nur in \u00d6sterreich ein aktuelles Thema. Wusstest du, dass Mitte Juni 2021 in Spanien die traurige Schlagzeile steht: \"mindestens 12 Femizide in 4 Wochen\"? Oder wei\u00dft du wie viele Frauen*morde es in den vergangenen Jahren in Deutschland laut Kriminalstatistik gab? <a href=\"https:\/\/appsso.eurostat.ec.europa.eu\/nui\/submitViewTableAction.do\">Laut Eurostat waren es 2018 = 204 Frauen* und 2017 = 231 Frauen*, die von ihren Partnern oder Ex-Partnern, Familienmitgliedern oder Verwandten vors\u00e4tzlich get\u00f6tet wurden<\/a>.\r\n\r\nLaut <a href=\"https:\/\/fra.europa.eu\/de\/news\/2021\/gewalt-gegen-frauen-eine-anhaltende-herausforderung\">letzter Erhebung der European Union Agency for Fundamental Rights (FRA)<\/a> wurden im letzten <a href=\"https:\/\/fra.europa.eu\/en\/data-and-maps\/2021\/frs\">Jahr mehr als \u00bc der Frauen* Opfer von Bel\u00e4stigung<\/a>. Von den Opfern wenden sich aber 68% nicht an die Polizei. 83% der Frauen* gaben zudem an, dass sie das Gef\u00fchl haben sich sch\u00fctzen zu m\u00fcssen, indem sie ihren Bewegungsradius und die Personen in ihrem Umfeld einschr\u00e4nken. Erschreckend, oder? 3 von 4 Frauen* haben das Gef\u00fchl nicht sicher zu sein und zus\u00e4tzliche Schutzma\u00dfnahmen zu ihrer Sicherheit ergreifen zu m\u00fcssen.\r\n\r\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-914 gallery-columns-2 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild2.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"746\" src=\"https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild2-1024x746.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1026\" srcset=\"https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild2-980x714.png 980w, https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild2-480x350.png 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1026'>\n\t\t\t\tDiese Grafik zeigt die absolute Anzahl der Frauen, die in Europa Opfer eines Mordes in 2017 und 2018 wurden. Ein Gro\u00dfteil davon wird als Femizid eingestuft. Deutschland ist heirbei trauriger Spitzenreiter in absoluten Zahlen.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild1.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"745\" src=\"https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild1-1024x745.png\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1027\" srcset=\"https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild1-980x713.png 980w, https:\/\/www.lorena-hoormann.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bild1-480x349.png 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1027'>\n\t\t\t\tDiese zweite Grafik zeigt die Anzahl hochgerechnet auf den Wert pro 100.000 Einwohner:innen des jeweiligen Landes. \n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\r\n\r\n(Eigene Darstellung basierend auf den <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/cache\/metadata\/en\/crim_esms.htm\">Datenauswertungen der Kriminalf\u00e4lle durch Eurostat, die frei verf\u00fcgbar sind<\/a>. Hier die Variable <a href=\"http:\/\/appsso.eurostat.ec.europa.eu\/nui\/submitViewTableAction.do\">\"crim_hom_vrel\" zum Aktualisierungszeitpunkt 08\/07\/2020<\/a> f\u00fcr die neuesten verf\u00fcgbaren Datens\u00e4tze aus 2017 und 2018).\r\n\r\nWenn du nach den Stichworten \u201eFemizid\u201c, \"Feminizid\u201c und \u201eFrauenmord\u201c in deiner Umgebung suchst, dann bin ich traurigerweise sicher, dass du auch in deiner N\u00e4he, in deinem \u201eHier und Jetzt\u201c oder an einem Ort, dem du dich nahe f\u00fchlst, unglaublicher- und schrecklicherweise irgendwo f\u00fcndig wirst. Wenn nicht, erweitere deine Suche mal um Worte wie \u201eEhedrama\u201c, \u201eFamilientrag\u00f6die\u201c, \u201eBeziehungsdrama\u201c. Und allein bei der Vorstellung wie viele Morde in der nahen Umgebung von Menschen hier in den Suchmaschinenergebnissen aufscheinen, zieht sich in mir alles zusammen und mir wird eiskalt.\r\n\r\nW\u00e4hrend laut Eurostat die Anzahl der Morde in Europa insgesamt zur\u00fcckgeht, gibt es eben auch diesen schrecklichen Trend der Frauenmorde. Wenn du zu Zahlen und Daten einmal ein wenig weiterlesen magst, dann schau doch auf der <a href=\"https:\/\/eige.europa.eu\/gender-based-violence\/data-collection\">Seite des europ\u00e4ischen Instituts f\u00fcr Gleichstellungsfragen rein. Hier werden l\u00e4nderspezifische Statistiken und<\/a> Forschungsarbeiten gesammelt und zur Verf\u00fcgung gestellt.\r\n<h2><strong>Was haben Femizide nun eigentlich mit meinem Beruf zu tun?<\/strong><\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left;\">Zun\u00e4chst einmal bin ich eine Frau und Feministin und bewege mich selbst als selbstst\u00e4ndige Unternehmensberaterin in einer Branche, deren Bild immer noch sehr klassisch \u201em\u00e4nnlich-wei\u00df\u201c gepr\u00e4gt ist. Das wird mir in verschiedensten Situationen auch immer wieder bewusst. Z. B. dadurch, dass mich \"f\u00fcrsorglich\" ein Berater auf Netzwerkveranstaltungen darauf hinweist, ob ich es bemerkt h\u00e4tte, <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/COgDA-kClRJ\/\">dass ich beim Logo auf Karten, Stiften und Homepage eine falsche Linie gezogen habe<\/a>. Oder auch, dass mir \"klassische\" Bezeichnungen wie \u201eKleine\u201c, \u201eP\u00fcppchen\u201c oder auch die Aufforderung meine Reize einzusetzen, um etwas zu erreichen, zu Ohren kommen. Dem Ganzen ist eines gemein, n\u00e4mlich dass dem zugrunde ein Frauenbild liegt, dass eine Frau* als minderwertig einstuft. Und nein, es sind gl\u00fccklicherweise nicht alle m\u00e4nnlichen Kollegen so. Ich umgebe mich mit Menschen, die meine Werte unterst\u00fctzen und davon gibt es eine ganzen Menge. Aber es gibt eben auch die hier beschriebene Variante. Und das gar nicht so selten.<\/p>\r\nUnd weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass jeder Schritt in die richtige Richtung wichtig ist, habe ich mich dazu entschieden f\u00fcr meine Grundwerte nicht nur privat sondern auch beruflich entschieden einzutreten. Anstatt es so hinzunehmen wie es ist, habe ich stattdessen beschlossen auch beruflich gewisse Grundwerte zu meiner Mission zu machen. Denn ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir alle privat wie beruflich etwas dazu beitragen k\u00f6nnen, damit keine Frau mehr diskriminiert oder ermordet wird, nur weil sie eine Frau sind.\r\n\r\nIch bin davon \u00fcberzeugt, dass wir gemeinsam in Vielfalt und Kooperation, mit Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit viel mehr bewegen und besser leben als alleine, in Kampf und Wettbewerb. Diese \u00dcberzeugung flie\u00dft auch in meine Coachings, Trainings und Beratungen, vor allem aber auch in Entscheidungen f\u00fcr oder gegen Kooperationen und Kund:innenbeziehungen ein. Wem Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Gleichberechtigung zuwider sind, mit dem Menschen mag ich nicht arbeiten. Jede:r die:der aufgeschlossen ist hier etwas in die Richtung zu machen, offen f\u00fcr diese Themen ist, die:der ist bei mir als Kund:in oder Kooperationspartner:in willkommen.\r\n<h2><strong>Was strukturell <\/strong><strong>verbessert werden kann<\/strong><\/h2>\r\nIn unserer Gesellschaft haben nat\u00fcrlich insbesondere auch die Gesetzgebung und der Staat die Kraft, um einen gro\u00dfen Ver\u00e4nderungsschub einzuleiten.\r\n<ul>\r\n \t<li>Es w\u00e4re bspw. wichtig, Strukturen zu schaffen die bereits vor einer Eskalation zum Mord greifen und pr\u00e4ventiv wirken. Hier gibt es schon viele Studien, Konzepte, Institutionen und M\u00f6glichkeiten, oftmals fehlt nur die entsprechende Priorisierung seitens der \u00f6ffentlichen Gelder.<\/li>\r\n \t<li>Es braucht Kampagnen, die darauf aufmerksam machen, dass Gewalt an Frauen passiert, die Opfer nicht allein sind und die zeigen, welche Hilfsangebote diese Frauen gesch\u00fctzt in Anspruch nehmen k\u00f6nnen. Die zudem auch darauf Aufmerksam machen wie mensch erkennen kann, wenn jemand zu einem Opfer von Gewalt wurde und was dann zu tun ist.<\/li>\r\n \t<li>Zudem sollten Themen wie Opferschutz und Gewalt an Frauen auch verst\u00e4rkt in die Ausbildung jener Berufe einflie\u00dfen, die direkt mit diesen Thematiken in Kontakt kommen. Denn das ist noch immer nicht die Regel. Die Berufe w\u00e4ren bspw. neben Polizist:in oder Anw\u00e4lt:in, auch Richter:in, Pfleger:in, \u00c4rzt:in uvm.<\/li>\r\n \t<li>Aber es braucht nicht nur f\u00fcr Frauen, die Opfer werden vermehrte Anlaufstellen, sondern auch f\u00fcr potenzielle T\u00e4ter, damit sie die M\u00f6glichkeit haben rechtzeitig niederschwellig Hilfe zu bekommen.<\/li>\r\n \t<li>Die Verfahrensdauer und die M\u00f6glichkeiten der Anklage und \u00dcberwachung m\u00fcssten zudem verbessert werden. 6 Monate bis zu einer Entscheidung \u00fcber die Verfahrensaufnahme oder -einstellung durch die Staatsanwaltschaft gegen einen angezeigten T\u00e4ter, in denen ein potenziell gef\u00e4hrlicher Mann sich weiterhin frei bewegen kann, sind eindeutig zu lang.<\/li>\r\n \t<li>Au\u00dferdem braucht es auch aktuelle Daten, Statistiken, Auswertungen und noch mehr Studien. eim Schreiben dieses Artikels wird mir einmal mehr bewusst, wie schwierig es ist Daten und Statistiken zu diesem Thema zu finden. Das ist ebenfalls ein Teil des Problems: Wie etwas sichtbar machen, wenn die Daten dazu nicht vorhanden sind, weil bspw. ein Land bei einer Erhebung nicht mitmacht oder die Kriminalstatistik nicht verf\u00fcgbar ist? Oder eben, weil ein Mord gar nicht als Frauenmord oder Femizid dokumentiert wird? Und was denkst du gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig, wie viele versuchte Femizide oder wieviel Gewalt an Frauen es aktuell gibt, die bisher in keiner Statistik und keinem Zeitungsartikel aufscheinen? Wie viele T\u00e4ter denkst du sind tats\u00e4chlich nicht mehr frei da drau\u00dfen?<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2><strong>Was jede:r einzelne f\u00fcr eine Zukunft ohne Femizide tun kann<\/strong><\/h2>\r\nSo ein struktureller Schub kann nur dort in die richtige Richtung auslaufen und Wellen schlagen, wo es aufgegriffen und getragen wird. Und manchmal wird er auch erst in Gang gesetzt, wenn sich ausreichend Menschen f\u00fcr das Thema interessieren und sich daf\u00fcr engagieren. Es braucht also meiner Meinung nach viel mehr als \u201enur\u201c einen strukturellen Rahmen. Dieser Rahmen muss bef\u00fcllt und eben auch gelebt werden. Und zwar gesamtgesellschaftlich. Diese Eisbergspitze Femi(ni)zid und letztlich der gesamte Eisberg verschwinden nur, wenn hingeschaut wird, wenn aktiv eine Ver\u00e4nderung herbeigef\u00fchrt wird.\r\n\r\nDenn auf allen Stufen kann pr\u00e4ventiv angesetzt werden, um das \u00c4u\u00dferste zu verhindern. Und zwar von jedem einzelnen Menschen, privat wie auch im beruflichen Umfeld. Jede:r einzelne kann dabei helfen, diesen Eisberg zum Schmelzen zu bringen und dazu braucht es nicht viel. Wenn jede:r von uns die zwei folgenden Aspekte f\u00fcr sich mitnimmt, wird sich dadurch viel in Bewegung setzen:\r\n<ol>\r\n \t<li>Jeder Mensch kann den eigenen Sprachgebrauch reflektieren und darauf achten, welche Worte sie:er benutzt. Damit gemeint ist nicht nur die gendergerechte Sprache. Ganz spannend wird es dort, wo wir uns Floskeln, Spr\u00fcche und Wortspiele, Vergleiche und Bilder anschauen, die wir t\u00e4glich verwenden oder h\u00f6ren. \u201eWorte k\u00f6nnen sein wie winzige Arsendosen. Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.\u201c (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Victor_Klemperer\">Victor Klemperer<\/a>) Warum nicht die Wirkungsmacht von Worten f\u00fcr eine positive Entwicklung einsetzen?<\/li>\r\n \t<li>Jede:r von uns verbringt einen Gro\u00dfteil seines Lebens im Arbeitskontext und gemeinsam mit verschiedenen Menschen im sozialen System \u201eUnternehmen\u201c. Auch hier kann jede:r einzelne etwas tun. Sobald mensch die eigenen Sinne gesch\u00e4rft hat f\u00fcr diese Thematik k\u00f6nnen wir andere darauf aufmerksam machen. Wir k\u00f6nnen Diskussionen ansto\u00dfen und zum Neudenken anregen. Das Tolle dabei im Arbeitskontext ist, dass das Unternehmen dann als Ganzes eine noch gr\u00f6\u00dfere Hebelwirkung zur Verf\u00fcgung hat, um zu sensibilisieren und sich f\u00fcr Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Kooperation einzusetzen. Und zwar auch \u00fcber die Unternehmensgrenzen hinaus.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h2><strong>Ein Schlusswort <\/strong><\/h2>\r\nDieser Artikel soll nicht alle Frauen* und\/oder M\u00e4nner* in Schubladen stecken. Ziel ist es hier, zum Nachdenken anzuregen, damit eben dieses aufh\u00f6rt. Das Einsetzen f\u00fcr Gleichberechtigung, Chancengerechtigkeit und Vielfalt geht uns alle an. Als Privatperson ebenso wie beruflich und unabh\u00e4ngig von Branche, Land, Position oder Zukunftsvisionen. Wir alle k\u00f6nnen unseren Beitrag dazu leisten, damit unsere Gesellschaft noch lebenswerter wird. Denn diese schrecklichen Taten und Umst\u00e4nde schaden nicht nur den Opfern, sondern uns allen als Gesellschaft. Und eine Ver\u00e4nderung ins Positive n\u00fctzt uns allen als Gesellschaft. Wenn wir uns daf\u00fcr einsetzen, dann sind es nicht nur die Frauen* die profitieren. Sondern auch all die M\u00e4nner*, weil sie keinem spezifischen Bild mehr entsprechen m\u00fcssen und jede:r einzelne die:der gewalt- und angsfrei leben m\u00f6chte.\r\n\r\nUnd ja, sich gegen Femizide und Gewalt einzusetzen und f\u00fcr die Vielfalt, Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit ruckelt und r\u00fcttelt an vielem Bestehenden. Es bringt auch die vielen Schubladen durcheinander, die sich \u00fcber Dekaden festgesetzt haben in Unternehmen, Branchen und der Gesellschaft. Aber Aufr\u00fctteln und Durcheinanderbringen, das braucht es. Denn wenn eine Ver\u00e4nderung passieren soll, m\u00fcssen wir neu denken lernen. Auf Altbew\u00e4hrtem kann nur Altbew\u00e4hrtes wachsen. F\u00fcr Neues muss es erstmal ruckeln und rattern.\r\n\r\nWenn ihr zuk\u00fcnftig Nachrichten seht, h\u00f6rt oder lest, wenn das n\u00e4chste Mal diskutiert wird \u00fcber die Sinnhaftigkeit von gendergerechter Sprache, Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft, in eurer Familie, eurem Freundeskreis und eurem Verein. Vielleicht denkt ihr dann an das, was ihr hier gelesen habt und werdet auch dazu beitragen mehr Bewusstsein zu schaffen und unsere Welt ein St\u00fcckchen besser zu machen und sicherer. F\u00fcr dich, deine Eltern, deine Kinder, deine Freunde und alle anderen Menschen.\r\n\r\nDenn jeder Schritt und jeder Blick in die richtige Richtung erh\u00f6hen die Chancen daf\u00fcr, dass zuk\u00fcnftig keine \u201eClaudia [\u2026] Esther [\u2026] Teresa [\u2026] Ingrid [\u2026] Fabiola [\u2026] Valeria\u201d<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> mehr ihr Leben verlieren muss, nur weil sie eine Frau* ist. Und vielleicht begegnen wir uns auch als Menschen - die gegen Gewalt und Mord und f\u00fcr eine Gesellschaft in der jede:r willkommen ist sind - auf einer der Kundgebungen, um gemeinsam zu rufen: \u201eNicht eine weniger! Nehmen sie uns eine, antworten wir alle! Man(n) t\u00f6tet nicht aus Liebe! Stoppt Femizide!\u201c\r\n\r\nZum Abschluss habe ich hier f\u00fcr euch <a href=\"https:\/\/youtu.be\/VLLyzqkH6cs\">einen der bewegendsten Songs zum Thema Feminizide, der \u201eCanci\u00f3n sin miedo\u201c<\/a> das Lied ohne Angst, von Vivir Quintana &amp; Mon Laferte. Ich gestehe, jedes Mal wenn ich ihn h\u00f6re und singe kommen mir die Tr\u00e4nen. Hier auch f\u00fcr all jene, die kein Spanisch sprechen <a href=\"https:\/\/www.quedeletras.com\/texte\/cancion-sin-miedo-ft-el-palomar\/vivir-quintana\/227771.html\">eine \u00dcbersetzung des Textes auf Deutsch<\/a>.\r\n\r\n[aiovg_video type=\"youtube\" youtube=\"https:\/\/youtu.be\/VLLyzqkH6cs \"]\r\n\r\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Namen als Platzhalter f\u00fcr alle Frauen, die Opfer eines Femi(ni)zids wurden, aus dem Lied \u201cCanci\u00f3n sin miedo\u201c von Vivir Quintana &amp; Mon Laferte, ein Song, der von Gewalt an Frauen handelt.\r\n\r\nAm 18.7.2021 habe ich von Judith Peters in The Content Society f\u00fcr diesen Artikel den <span style=\"color: #3366ff;\"><strong>Impact Blogger Award<\/strong><\/span> erhalten und mich riesig dar\u00fcber gefreut. <em>\"Der Award geht<\/em><span class=\"d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql lr9zc1uh jq4qci2q a3bd9o3v knj5qynh oo9gr5id\"><em> an Frauen, die mit ihren Blogartikeln schwierige Themen angehen, Tabus brechen und wichtige Themen platzieren! Themen, die das Zeug dazu haben, unsere Gesellschaft positiv zu ver\u00e4ndern.\"<\/em> Danke <a href=\"http:\/\/www.sympatexter.de\">Judith Sympatexter Peters<\/a> f\u00fcr diese Auszeichnung, es bedeutet mir sehr viel!<\/span>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":917,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-914","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-wandel"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Femizide? Doch nicht hier! \u2013 \u00a0Diskriminierung und Frauen*morde gehen uns alle an, auch im Beruf (ein Rant)<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Femizide und Diskriminierung. Das ist nicht weit weg, es passiert hier und jetzt. 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