Ich bevorzuge Impulsgebung vor Tipps und Ratschlägen. Aber die meisten Führungsratgeber funktionieren mit: Hier sind die fünf Dinge, die gute Führungskräfte tun. Hier sind die sieben Fehler, die du vermeiden solltest. Hier ist die eine Methode, die alles verändert. Sie funktionieren nach dem Tipp-Prinzip. In diesem Artikel sage ich dir, warum ich KEINE Tipps gebe, wenn ich mit Menschen zusammenarbeite. Insbesondere mit Führungskräften.
Das Wichtigste auf einen Blick
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Impulse sind verdichtete Erkenntnisse, keine erfundenen Weisheiten. Sie spiegeln wider, was Führungskräfte selbst erarbeitet haben. - →
Tipps verengen den Möglichkeitsraum, weil sie eine Richtung vorgeben. Impulssätze öffnen ihn, weil sie einladen, selbst zu entscheiden, was stimmt. - →Wer Tipps gibt, signalisiert indirekt: Ich weiß es besser. Das schwächt Selbstwirkkraft. Impulse erkennen die Expertise der anderen Person an.
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Impulssätze wirken nicht beim einmaligen Lesen. Sie entfalten ihre Kraft in der Wiederholung, in der Reflexion und im bewussten Innehalten. - →
SelbstwirkKRAFT entsteht, wenn Menschen aus innerer Stimmigkeit heraus handeln. Impulssätze sind ein konkretes Werkzeug auf diesem Weg.
1. Was Tipps im Gehirn auslösen und was nicht
Wenn wir einen Tipp lesen, nicken wir, vielleicht befinden wir ihn für gut und denken: Ja, das stimmt. Das sollte ich tun. Und dann tun wir es nicht.
Nicht weil wir faul sind oder den Tipp vergessen haben. Sondern weil zwischen dem Verstehen einer Information und dem echten Verändern von Verhalten ein Schritt liegt, den Tipplisten überspringen: der Schritt nach innen. Echte Veränderung entsteht nicht durch neue Informationen. Sie entsteht dort, wo jemand etwas über sich selbst versteht, das vorher nicht sichtbar war. Wo ein Satz etwas trifft, das schon da war und jetzt plötzlich einen Namen hat. Das ist der Unterschied zwischen einem Tipp und einem Impuls.
2. Warum Tipps das falsche Signal senden
Ich bin davon überzeugt, dass jede Person Expert*in für das eigene Leben, das eigene Wohlbefinden und den Job ist, den sie tagtäglich in ihrem ganz konkreten Umfeld ausführt. Diese Expertise ist über eine Lebenszeit hinweg gewachsen und sie verdient Respekt.
Tipps senden dabei ein anderes Signal. Wer Tipps gibt, sagt indirekt: Ich weiß es besser. Und damit unterstellt die Person gleichzeitig, dass das Gegenüber noch nicht darüber nachgedacht hat. Das passiert selten mit böser Absicht, aber die Wirkung ist dieselbe wie bei Ratschlägen (mehr dazu in meinem Artikel über Ratschläge). Etwas in uns zieht sich zusammen, die Offenheit schließt sich.
Aber in meinem Wirken geht es mir ja um das Gegenteil. Ich arbeite so, dass Menschen ihre eigene Expertise erkennen und anerkennen. Denn nur wer sich selbst als kompetent und wirksam erlebt, kann anfangen, wirklich aus sich heraus zu handeln. Das ist der Kern von SelbstwirkKRAFT.
Tipps verengen den Möglichkeitsraum, weil sie eine Richtung vorgeben. Impulse öffnen ihn, weil sie den Menschen einladen, selbst zu entscheiden, was für die Person stimmt. Das ist nicht nur ein Unterschied auf sprachlicher Ebene, sondern insbesondere auch auf der Haltungsebene.
3. Was ein Impulssatz ist und was er nicht ist
Ein Impulssatz ist keine Anweisung. Er sagt nicht: Tu das. Er ist auch keine klassische Affirmation im Sinne von Selbstsuggestion, kein Satz, den man sich morgens vor dem Spiegel sagt, bis man ihn irgendwann glaubt.
Ein Impulssatz ist selbst ein Spiegel. Er formuliert eine Erkenntnis so, dass sie ankommen kann, nicht als neue Information von außen, sondern als Impuls, der es ermöglicht, in Resonanz mit etwas zu gehen, das bereits in dir vorhanden ist.
Wenn ein Impulssatz trifft, spürst du das. Es gibt dieses leise: „Ja. Genau das.“ Oder auch ein leises Unbehagen, weil er etwas benennt, das du lieber noch nicht so klar gesehen hättest. Beides ist wertvoll. Beides ist Information.
4. 100 Impulssätze aus der Arbeit mit Führungskräften
Ich habe gerade einen Blogartikel verfasst, in dem du 100 Impulssätze findest, die ich in Jahren gemeinsamer Arbeit mit Führungskräften in Workshops und Coachings gesammelt habe. Darin findest du Sätze, die in echten Situationen entstanden sind. Im Moment, wo jemand eine Erkenntnis hatte und ich ihr eine Form gegeben habe, im Gespräch, wo plötzlich klar wurde, was hinter einem Muster steckt oder auch am Ende eines Workshops, wenn ich fragte: Was nimmst du mit? Diese Sätze gehören den Menschen, die sie erlebt haben. Ich habe sie nur formuliert und aufgeschrieben. Und diese Sammlung fand ich so wertvoll als Impulse, dass ich mich dazu entschlossen habe, sie mit dir und allen anderen zu teilen.
5. Wie du Impulssätze gut nutzen kannst
Impulssätze entfalten ihre Wirkung nicht beim einmaligen Lesen. Hier sind drei Wege, wie du bewusst damit arbeiten kannst:
- Das Impuls-Glas
Schreib jeden Satz auf einen Zettel, falte ihn, leg ihn in ein Glas. Zieh jeden Tag einen und lass ihn auf dich wirken, bevor du entscheidest, was er bedeutet. Oder alternativ: Druck dir die 100 Sätze aus, trenne sie voneinander und befülle damit dein Glas. - Impuls am Morgen
Suche dir einen Impulssatz heraus, bei dem du kurz gezögert hast. Das kann einer aus meinem Artikel sein, oder ein ganz anderer, der dir irgendwann mal begegnet ist. Trage ihn mit in den Tag. Beobachte, wo er dir begegnet. - Impuls-Reflexion
Lies die Liste am Ende einer herausfordernden Woche. Welcher Satz beschreibt genau das, womit du gerade ringst? Notiere, was dir in den Sinn kommt.
6. Was das mit Selbstwirkkraft zu tun hat
SWK steht für SelbstwirkKRAFT. Es ist das Modell, das meiner gesamten Arbeit zugrunde liegt, und es basiert auf der Überzeugung, dass nachhaltige Wirkung von innen entsteht. Nicht durch bessere Techniken, nicht durch mehr Wissen, sondern durch mehr Stimmigkeit, zwischen dem, was du fühlst, denkst und tust, deinen Werten und deinem täglichen Handeln und zwischen dem, wer du bist, und dem, wie du führst.
Impulssätze sind ein Werkzeug auf diesem Weg. Sie unterbrechen den Autopiloten, schaffen einen Moment des Innehaltens und öffnen dadurch – wenn du es zulässt – einen neuen Möglichkeitsraum, in dem das Potenzial einer Weiterentwicklung liegt.
7. An Invitation
Wenn du die 100 Impulssätze noch nicht gelesen hast: Tu es. Aber nicht auf einmal. Lies einen Block. Hör auf, wenn ein Satz hängen bleibt. Und wenn du tiefer gehen möchtest, in deiner eigenen Führungsarbeit, mit deinem Team oder in deiner Organisation, dann melde dich gerne bei mir. Denn dann komme ich als Begleiterin auf eurem Weg in und durch euren Möglichkeitsraum ins Spiel.








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