Was ist SelbstwirkKRAFT?

10 Dez. 2024 | Selbstwirkkraft® & innere Klarheit

Aktualisierte Fassung — Mai 2026

Es gibt eine Frage, die ich mir selbst schon lange stelle: Worin steckt meine Kraft und wofür setze ich sie ein? Auch wenn es auf den ersten Blick einfach wirkt. Die Beantwortung ist nicht so simpel. Denn die meisten Menschen haben diese Frage nie wirklich für sich beantwortet. Sie funktionieren, sie leisten, sie passen sich an. Manche brennen aus. Andere merken irgendwann, dass sie jahrelang Energie in Richtungen gesteckt haben, die sich nie wirklich richtig angefühlt haben. Selbstwirkkraft ist mein Versuch, dieser Frage einen Namen und eine Struktur zu geben.

Was Selbstwirkkraft nicht ist

Albert Bandura hat mit dem Konzept der Selbstwirksamkeit etwas Wichtiges beschrieben: die Überzeugung, mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Diese Überzeugung ist real und sie hat Wirkung. Aber sie stellt die falsche Frage. Selbstwirksamkeit fragt: Komme ich durch? Selbstwirkkraft fragt: Wofür bin ich hier? Das ist ein fundamentaler Unterschied. Selbstwirksamkeit ist reaktiv, sie beschreibt, wie gut jemand auf das reagiert, was kommt. Selbstwirkkraft ist hingegen proaktiv, sie beschreibt die bewusste Entscheidung, wohin die eigene Energie fließt.

Was Selbstwirkkraft ist

Jeder Mensch trägt etwas in sich, das ihn antreibt. Das muss nicht sofort eine große Berufung oder eine Lebensaufgabe sein, es ist weniger festgelegt und vielmehr dynamisch und gekoppelt an die eigene Erfahrungs- und Lebenswelt. Es ist also eher in dem Sinn gemeint, dass es etwas gibt, wofür mensch morgens aufsteht und es sich dabei richtig anfühlt, etwas das einen nicht loslässt, das einen begeistert, auch wenn niemand zuschaut.

Diese Kraft ist keine stabile Persönlichkeitseigenschaft. Sie entsteht aus dem gesamten Erfahrungsraum eines Menschen, aus dem, was man erlebt hat, was man gelernt hat, was einem widerfahren ist, auch durch Brüche und durch Ungerechtigkeit. Oft schärft gerade das, was schwer war, die Richtung, in die die eigene Energie fließen will.

Selbstwirkkraft verbindet drei Dinge:

Erkennen, worin die eigene Kraft liegt.

Entscheiden, wofür man sie einsetzt.

Und das so tun, dass man dabei nicht ausbrennt.

Das dritte Element ist entscheidend und wird am häufigsten übersehen. Wer seine Kraft nicht erhält, verliert die Fähigkeit zu wirken. Selbstwirkkraft ist deshalb kein Konzept der Selbstoptimierung, sondern eines der nachhaltigen Wirksamkeit.

Die wissenschaftliche Einbettung

Es gibt wissenschaftliche Konzepte, die in dieselbe Richtung weisen, aber keines, das das, was ich meine, vollständig fasst.

Aaron Antonovsky hat mit seiner Salutogeneseforschung gezeigt, dass Gesundheit nicht die Abwesenheit von Belastung ist, sondern die Fähigkeit, Sinn, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit herzustellen. Sein Kohärenzgefühl - das Gefühl, dass das eigene Leben bedeutsam, verstehbar und gestaltbar ist - ist dem, was ich meine, sehr nah. Selbstwirkkraft konkretisiert diesen Gedanken: Was genau ist dieses Bedeutsame für mich? Und wie handle ich danach?

Hartmut Rosa beschreibt mit seiner Resonanztheorie, was passiert, wenn Menschen in echter Beziehung zur Welt stehen, wenn sie handeln und die Welt antwortet, wenn etwas zurückkommt. Das ist genau das, was Selbstwirkkraft erzeugt: keine Entfremdung, sondern Resonanz. Und Resonanz erschöpft nicht, sondern sie trägt.

Amartya Sen und Martha Nussbaum erinnern mit ihrem Capability Approach daran, dass Wirksamkeit keine rein individuelle Leistung ist. Was Menschen wirklich tun und sein können, hängt von strukturellen Bedingungen ab. Selbstwirkkraft braucht Räume, in denen sie sich entfalten kann. Und sie fragt deshalb nicht nur nach dem Individuum, sondern auch nach den Systemen, in denen Menschen leben und arbeiten.

Selbstwirkkraft wirkt auf mehreren Ebenen

Was mich an diesem Konzept nicht loslässt, ist seine systemische Dimension. Selbstwirkkraft ist nicht nur eine persönliche Haltung sondern hat vor allem auch eine Wirkung über das Individuum hinaus. Wenn ein Mensch weiß, worin seine Kraft liegt, und diese Kraft konsequent einsetzt - nicht nur im Ehrenamt, auch im Job, auch in Organisationen, auch im Alltag - dann verändert das etwas im Umfeld. Es verändert Beziehungen, Teamdynamiken, was in Organisationen möglich wird´und wie eine Gesellschaft gelebt wird.

Und wenn Gleichgesinnte ihre Kräfte in eine ähnliche Richtung einbringen, entsteht etwas, das keiner alleine erreichen könnte. Kollektive Selbstwirkkraft ist keine reine Addition von Einzelkräften sondern haben eine eigene Qualität.

Aristoteles hat es in seiner Metaphysik auf den Punkt gebracht: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Was er meinte (und was auch für kollektive Selbstwirkkraft gilt) ist, dass das Zusammenspiel von Menschen etwas erzeugt, das aus isolierten Einzelleistungen nicht entstehen kann.

Das ist der Grund, warum dieses Konzept für mich weit über persönliche Entwicklung hinausgeht. Es ist ein gesellschaftliches Konzept. Eine Frage danach, wie Menschen gemeinsam wirksam sein können und zwar so, dass sie sich slebst dabei nicht verlieren.

Eine Einladung

Wenn du diese Frage kennst: Worin steckt meine Kraft, und wofür will ich sie einsetzen? dann bist du hier richtig.

Denn ich glaube, dass diese Frage es wert ist, ernsthaft gestellt zu werden. Immer wieder. In verschiedenen Lebensphasen und Kontexten.

Mehr dazu findest du in der Selbstwirkkraft-Denkschule und im Manifest, das die konzeptionellen Grundlagen ausführlicher auseinandernimmt.

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