Die Definition von Gesundheit laut WHO
Wenn Gesundheit mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit ist, was genau ist dann Gesundheit? Dazu möchte ich Dich zu einer schnellen Reflexion einladen. Nimm Dir kurz Zeit und versuche die folgenden Fragen jeweils für Dich zu beantworten, nachdem Du die jeweilige Frage durchgelesen hast:- Wann fühlst Du Dich gesund?
- Was hat einen Einfluss auf Deine Gesundheit?
- Kannst Du nicht mehr gesund sein, sobald Du bspw. eine Behinderung hast?
- Was benötigst Du, um langfristig gesund zu bleiben?
"Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Anschauung und der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung. Die Gesundheit aller Völker ist eine Grundbedingung für den Weltfrieden und die Sicherheit; sie hängt von der engsten Zusammenarbeit der Einzelnen und der Staaten ab."Diese Definition wird durch die WHO basierend auf der Ottawa Charta 1987 noch weiter ergänzt:
"Gesundheit ist die Fähigkeit und die Motivation, ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen"
Gesundheit ist ein komplexer Prozess
Dieser Denkansatz wurde vom israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky geprägt, der sich die Frage stellte, wie Gesundheit entsteht. Er prägte den Begriff der Salutogenese, der den Entwicklungs- und Erhaltungsprozess von Gesundheit beschreibt. Sein Rahmenkonzept des Kohärenzgefühls zeigt auf, welche dynamischen Wechselwirkungen zu ihrer Entstehung und Erhaltung beitragen. Die zentralen Komponenten dieses sogenannten „Sense of Coherence“ (SOC) sind nicht nur durch objektive Faktoren, sondern auch subjektiv geprägt. Es geht dabei um die Elemente Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit bzw. Sinnhaftigkeit.
„Das SOC (Sense of Coherence = Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass 1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind; 2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen; 3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.
Gesundheit ist eine Fähigkeit
Gesundheit ist also ein ganzheitliches Wohlbefinden, das durch objektive aber auch subjektive Faktoren geprägt ist und jede*r erlebt es unterschiedlich. Noch dazu, können auch wir selbst etwas für oder gegen unsere Gesundheit tun. B. Badura und T. Hellmann haben diesen Umstand in einer noch erweiterten Definition im Jahr 2002 beschrieben. Dabei legen sie ein Augenmerk auf die gesundheitliche Funktion der Selbstregulierung. Dabei ist auch ganz deutlich der Aspekt des sozialen Wohlbefindens wesentlich.„Gesundheit ist eine Fähigkeit zur Problemlösung und Gefühlsregulierung, durch die ein positives seelisches und körperliches Befinden – insbesondere ein positives Selbstwertgefühl – und ein unterstützendes Netzwerk sozialer Beziehungen erhalten oder wieder hergestellt wird.“
Gesundheit ist keine Privatsache
Wenn es um ein ganzheitliches Wohlbefinden geht, dann liegt es nahe, dass Gesundheit nicht nur Privatangelegenheit sein kann. Natürlich sind mein Körper und die individuelle Lebensweise wesentlich, wenn es darum geht, wie gesund ich bin oder mich erhalte. Aber es gibt auch noch ganz andere Ebenen, die einen zentralen Einfluss auf unsere Gesundheit haben: soziale und kommunale Netzwerke, Lebens- und Arbeitsbedingungen und allgemeine Bedingungen der sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt. Und wenn all diese Aspekte eine Auswirkung auf die Gesundheit jedes einzelnen Menschen haben, bedeutet es, dass wir hier ebenfalls Schrauben für oder gegen unsere Gesundheit stellen können. Das bedeutet, je nachdem, wie wir unsere Umwelt ausgestalten, können wir auch einen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen. Die folgende Grafik vom "Fonds Gesundes Österreich" (FGÖ) zeigt sehr anschaulich, welches die Gesundheitsdeterminanten sind.
Quelle: Fonds Gesundes Österreich nach Dahlgren, G., Whitehead, M. (1991)
Health is also a business matter.
Die Arbeitsumgebung ist eine der Gesundheitsdeterminanten, die einen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen hat. Und es ist tatsächlich sinnvoll, hier anzusetzen, um die Gesundheit aktiv zu fördern. Sinnvoll für Unternehmen, vor allem aber auch für jede*n einzelnen. Warum, das zeige ich Dir gerne anhand einer Berechnung für Österreich, die ich im letzten Jahr für einen Vortrag durchgeführt habe. Dabei beziehe ich mich aus Zahlen mit dem Stand 2020/2021 aus Veröffentlichungen von: Statista, Arbeiterkammer, Statistik Austria, WKO und ÖGB. Basierend auf diesen Zahlen, fällt auf unser Arbeitsleben ca. 48% unserer Lebenszeit.- 81,3 Jahre = durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich
- 21,6 Jahre = durchschnittliches Alter zum Eintritt in den Arbeitsmarkt
- 62,5 Jahre = durchschnittliches Antrittsalter der Pension
- 42,1 Std. = durchschnittliche Arbeitszeit bei Vollzeitanstellung pro Woche (8,42 Std./Tag)
- 7,2 Std. = durchschnittlicher Schlaf /Tag (Stand 2016)
- 10,3 Tage = durchschnittliche Krankenstandsdauer pro Person und Jahr
- 12,7 Tage = durchschnittliche Krankenstandstage pro Person und Jahr
- 37,9 Jahre = durchschnittliche Lebensarbeitszeit

Quelle: eigene Darstellung, basierend auf o.g. Zahlen. (Anmerkung: Selbstversorgung Schätzwert)

Quelle: eigene Darstellung, basierend auf o.g. Zahlen. (Anmerkung: Selbstversorgung Schätzwert)



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