Manchmal entsteht ein Jahresmotto nicht aus einem bewussten Entschluss, sondern aus einem Moment, der plötzlich stimmig ist. Nicht geplant, nicht strategisch, sondern aus dem Leben heraus. Genauso wie dieser Text: Eigentlich wollte dieser Text nur ein kurzer Artikel werden (haha) – ein paar Gedanken zu einem neuen Jahr, ein paar Sätze zu einem inneren Impuls. Doch im Schreiben habe ich gemerkt, dass ich tiefer eintauche. Dass dieses Motto mehr Schichten hat, als ich zunächst gedacht habe. Also habe ich mir Zeit genommen: Zum Nachspüren, Reflektieren und Fragenstellen. Was als kurzer Impuls gedacht war, wurde zu einem Prozess mit Pausen, Umwegen und ehrlicher Selbstbefragung. „Raus damit“ ist kein Vorsatz, den ich mir gesetzt habe, sondern eine Haltung, die sich gezeigt hat. Eine Bewegung weg vom Zurückhalten, hin zu mehr Offenheit, Sichtbarkeit und Selbstvertrauen. Dieser Text ist eine persönliche Annäherung an dieses Motto – an seine Entstehung, seine Tiefe und daran, wie ich es heute lebe. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Aber mit dem Wunsch, etwas Echtes zu teilen.

Zehn Jahre zurück. Viel Ahnung, wenig Gewissheit.
Das findet sich in diesem Blogartikel:
Wie mein Jahresmotto entstanden ist
„Raus damit“ ist nicht aus einer großen Entscheidung entstanden, sondern aus einem leisen, klaren Moment im Alltag. Nicht geplant, nicht durchdacht, nicht strategisch. Es war einfach da – und ist geblieben. Ich saß an einem ganz normalen Arbeitstag an meinem Schreibtisch. Kein Jahresrückblick, kein Visionboard, kein bewusst gesetzter Prozess. Kein besonderer Rahmen. Nur ein Moment, in dem sich innerlich etwas sortiert hat und plötzlich klar war: Genau das ist es.
Rückblickend passt das perfekt zu diesem Motto. Es ist nicht aus dem Kopf entstanden, sondern aus dem Tun heraus. Nicht aus langem Abwägen, sondern aus der Bewegung. „Raus damit“ ist für mich deshalb kein Vorsatz für 2026, sondern eine Haltung. Ich hatte gerade die Nachlese einer Online-Tagung abgeschlossen, schrieb meiner Freundin und Kollegin noch eine letzte Nachricht und dachte kurz an die üblichen Korrekturschleifen. An das Absichern. An das „Vielleicht noch einmal drüberschauen“.
Und dann habe ich ihr einfach geschrieben: RAUS DAMIT!
In Großbuchstaben. Mit Ausrufezeichen.
In genau diesem Moment wusste ich: Das ist es. Das ist mein Motto für dieses Jahr. Raus mit meinen Angeboten. Raus mit meinem Können. Raus mit meinen Ideen. Raus mit dem, was ich bin und was mir wichtig ist. Nicht noch länger zurückhalten. Nicht weiter warten. Nicht alles erst perfekt machen wollen. Sondern raus damit. Dieser Moment hatte nichts Spektakuläres – und war gerade deshalb so eindeutig. Rückblickend fühlt sich dieses Jahresmotto 2026 – Raus damit genau richtig an.
Kein Kalenderspruch, sondern Haltung
„Raus damit“ fühlt sich für mich nicht nach Denken an, sondern nach Körper. Nach Bauch. Nach einem inneren Ja. Es geht mir nicht um lautes Nach-außen-Gehen, sondern um eine innere Bewegung. Um weniger Zurückhalten und mehr Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. „Raus damit“ steht für den Moment, in dem ich aufhöre, mich zu bremsen, und beginne, mir zu glauben. Mich ernst zu nehmen. Mich zu zeigen. Dass dieser Satz so viel in mir auslöst, hat wenig mit diesem einen Moment zu tun. Er berührt etwas, das sich über viele Jahre aufgebaut hat – körperlich, biografisch und auch existenziell.
Vielleicht auch deshalb, weil dieser Satz mich schon lange begleitet – lange bevor er zu meinem Jahresmotto wurde. Das erste Mal bewusst begegnet ist er mir bewusst in einem hypnosystemischen Seminar (danke an dieser Stelle, liebe Martina und liebe Vera <3). Eines meiner Themen war mein Bauch. Das Bauchgefühl, aber auch ganz körperlich das Bedürfnis, den Bauch einzuziehen, zu verstecken, anzuspannen, den Bauchraum so nicht richtig zu nutzen, etwas zu unterdrücken. Aus Gewohnheit. Aus Anpassung. Vielleicht auch aus dem Gefühl heraus nicht zu viel Raum einnehmen zu dürfen. Am Ende des Seminars sagte die Leiterin zu mir: „Und denk dran, raus damit!“ Sie streckte dabei den Bauch nach vorn. Wir haben gelacht, alle gemeinsam, und ebenfalls den Bauch herausgestreckt. Dieses Bild hat sich festgesetzt. Damals vielleicht eher beiläufig. Heute weiß ich, wie viel darin steckt.
Zwischen Anpassung und innerem Reichtum
Lange Zeit habe ich sehr viel von mir selbst zurückgehalten. Meine Bedürfnisse. Mein Wissen. Mein Bauchgefühl. Ich habe mich stark am Außen orientiert, mich angepasst, maskiert, versucht, möglichst korrekt zu sein. Möglichst leise. Möglichst reibungslos. In der Hoffnung, dann einfach meine Ruhe zu haben. Gleichzeitig war da immer so viel in mir: Neugier, Tiefe, der Wunsch zu lernen, zu verstehen, Dinge zu durchdringen. Der Wunsch, etwas zu bewegen. Sinn zu stiften. Menschen zu begleiten. Für Gerechtigkeit einzustehen. Diese Spannung zwischen Anpassung nach außen und innerem Reichtum nach innen hat mich lange innerlich aus der Balance gebracht.
Denn ich habe früh gelernt, dass – abseits der eigenen Familie – Sichtbarkeit nicht immer nur positive Reaktionen hervorruft, sondern dass sie irritieren kann, dass man aneckt. Oftmals gab es Situationen, in denen ich mich nicht oder missverstanden gefühlt habe. Also habe ich vieles lieber für mich behalten. Dazu kamen Begriffe, die ich erst spät für mich einordnen konnte: Hochbegabung, Underachievement, ADHS. Diese späte Einordnung hat mir rückblickend vieles erklärt: warum Dinge liegen bleiben, warum Fertigwerden manchmal schwerer ist als Anfangen. Viele angefangene Dinge, viele fast fertige Projekte, viel Potenzial, das nie ganz raus durfte und viel Energie, die im Nichts verpufft ist. Nicht, weil es mir egal war, sondern weil es mir zu wichtig war. Rückblickend war das kein Entweder-oder, sondern ein ständiges Dazwischen. Zwischen dem, was in mir lebendig war, und dem, was nach außen funktionieren musste.
Funktionieren – und der Preis dafür
Ich hatte Erfolge. Viele sogar. Ich habe immer gute, oft sehr gute Arbeit geleistet, habe funktioniert, Anforderungen erfüllt. Ich bin meinen Weg gegangen – allerdings meist innerhalb vorgegebener Bahnen. Bahnen, die mir äußerlich Anerkennung gebracht haben, die sich innerlich aber oft sehr eng angefühlt haben. Erst heute erkenne ich, wie viel Kraft es mich gekostet hat, ständig „normal“ zu sein. Passend zu reagieren. Mich einzufügen. Mich zu regulieren. Diese Anstrengung habe ich lange für selbstverständlich gehalten. Für normal.

Ich konnte das. Und ich habe mich darin trotzdem verloren. Erfolg im Außen. Enge im Inneren.
Die späte Einordnung von ADHS und Hochbegabung – erst Ende 2025, mit fast 40 Jahren – hat mir rückblickend vieles erklärt. Nicht nur in Bezug auf Arbeitsweisen oder Energie, sondern auch auf dieses dauerhafte Hochfahren, dieses Funktionieren. Und sie hat mir eine neue Frage eröffnet: Was wäre möglich gewesen – und was ist noch möglich –, wenn nicht so viel Kraft dafür draufgeht, mich passend zu machen, sondern mehr Raum dafür entsteht, so zu arbeiten, zu leben und sichtbar zu sein, wie ich wirklich bin? Auch das gehört für mich zu „Raus damit“.
Rückblickend sehe ich heute deutlicher, dass dieses Funktionieren nicht zufällig entstanden ist, sondern sich an konkreten Bruchstellen meines Lebens immer weiter verfestigt hat. Der erste große Einschnitt war meine Krebsdiagnose mit 30. Sie hat nicht nur meinen Körper, sondern auch mein bisheriges Selbstverständnis erschüttert. Kurz darauf folgten Phasen von Erschöpfung, Rehabilitation nach einem Burn-out und eine Zeit intensiver innerer Neuorientierung. Jahre später kam ein weiterer Tiefpunkt hinzu – ein Erlebnis, das mich dem Tod sehr nahe brachte und nach dem ich mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gelebt habe. Auch dieser Bruch hat mir gezeigt, wie viel ich bis dahin getragen, ausgehalten und kompensiert hatte und wie oft ich entgegen meinem Bauchgefühl und meinen eigentlichen Bedürfnissen gehandelt habe.
Jeder dieser Einschnitte hat mir auf unterschiedliche Weise den Boden unter den Füßen weggezogen und dabei auch gleichzeitig etwas freigelegt. (Und nein, jetzt kommt nicht der Aufruf, man solle in allem auch immer das Gute sehen. Viele Sachen sind einfach sche****. Punkt. Da gibt es nix Gutes dran.) Mit jeder Krise bin ich ein Stück weiter weg vom reinen Funktionieren und ein Stück näher zu mir selbst gekommen. Nicht geradlinig, nicht sanft, sondern mühsam, tastend, oft widerständig. Die späte Einordnung von ADHS und Hochbegabung Ende 2025, mit fast 40 Jahren, war schließlich kein weiterer Zusammenbruch, sondern eher ein Zusammenfügen. Ein letztes Puzzleteil, das mir erlaubt hat, rückblickend vieles zu verstehen: meine Arbeitsweisen, meine Energie, meine Sensibilität – und auch diesen tief verankerten Drang, mich anzupassen, um handlungsfähig zu bleiben.
In diesem Licht ist „Raus damit“ für mich kein spontaner Entschluss, sondern das Ergebnis einer langen inneren Reifung. Eine Konsequenz aus vielen Jahren des Lernens, Haltens, Hinterfragens und Neu-Ausrichtens. Kein Trotz, kein Impuls – sondern eine bewusste Bewegung nach vorn.

Man sieht nicht, wie stabil die Brücke ist – man geht trotzdem.
Was „Raus damit“ heute für mich bedeutet
Es geht dabei um Sichtbarkeit mit Haltung, um Abgrenzung statt Grenzüberschreitung, um Neugier statt Kontrolle. Es beschreibt, wie ich lerne, mit Reaktionen umzugehen, bei mir zu bleiben und Dinge tatsächlich in die Welt zu bringen. Sichtbar zu werden macht Angst. Rauszugehen heißt, bewertbar zu werden. Für jemanden wie mich, die lange versucht hat, möglichst korrekt und unauffällig zu sein, ist das kein kleiner Schritt. Menschen beurteilen gerne. Gerade online. Gerade dann, wenn man nicht nur ein Produkt zeigt, sondern Haltung, Werte und Herzblut.

Ich gehe los. Nicht ohne Angst – aber mit mir.
Auf meinem Weg gab es Erfahrungen – beruflich wie privat –, in denen ich mich gezeigt habe und gemerkt habe, dass Offenheit nicht automatisch Sicherheit bedeutet. Nicht als klare, benennbare Schuld. Nicht als einzelne Personen, die „falsch“ gehandelt hätten. Sondern als wiederholtes Erleben, dass Sichtbarkeit verletzlich macht, Gedanken missverstanden werden können, Ideen nicht immer geschützt sind. Dass man sich kleiner fühlt, als man eigentlich ist. Ich habe daraus keinen bewussten Entschluss gemacht, mich zurückzuhalten. Vielmehr hat sich über die Zeit ein innerer Schutzmechanismus entwickelt, der gesagt hat: So ist es sicherer. So bleibe ich handlungsfähig. So verliere ich nichts.
Heute verstehe ich dieses Zurückhalten weniger als Entscheidung und mehr als eine Form von Selbstschutz, die sich über Jahre immer wieder selbst verstärkt und reaktiviert hat – besonders dann, wenn mir etwas wirklich wichtig war. „Raus damit“ bedeutet für mich heute, diese Mechanismen zu erkennen, sie ernst zu nehmen und mich ihnen nicht mehr vollständig zu überlassen. Es geht mir dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern um das Anerkennen meiner eigenen inneren Schutzlogik.

Heute ist nichts Besonderes. Und genau das ist das Besondere.
Was „Raus damit“ für mich nicht heißt
„Raus damit“ heißt für mich nicht, ohne Rücksicht auf andere Menschen alles auszusprechen oder jedem etwas vor den Kopf zu werfen. Es bedeutet keine schonungslose Transparenz und „Ehrlichkeit“, es ist kein Aufruf zur Grenzüberschreitung. Vielmehr ist es ein innerer Motivationsruf an mich selbst. Besonders in den Momenten, in denen ich innerlich hadere. Wenn ich zweifle, ob ein Text wirklich schon oft genug gelesen wurde. Wenn ich beginne, ein Angebot oder eine Idee infrage zu stellen, weil es Ähnliches schon gibt oder weil ich nicht weiß, ob die Welt das braucht. Wenn Angst auftaucht, dass andere meine Ideen wegnehmen oder mich angreifen könnten.
Dann sage ich mir: Raus damit.
Ich suche mir Wege, die sich gut anfühlen. Momente, in denen es passt. Räume, die ich halten kann – wie meinen Blog oder Social Media. „Raus damit“ ist keine Pflicht nach außen, sondern eine Erlaubnis nach innen.

Ich habe aufgehört, mich zu treiben – und begonnen zuzuhören.
Neugier, Abschluss und Einladung
Ich bin neugierig darauf, was passiert, wenn ich diesem Motto wirklich folge. Ich träume schon lange davon, mit meinem Wirken sichtbarer zu werden, mehr Menschen zu erreichen, zu begleiten und Impulse zu setzen – für Menschen, Organisationen und Communities. Viele meiner Potenziale habe ich da bislang noch nicht ausgeschöpft, hauptsächlich aus Angst vor den Reaktionen.
Spannend ist es jetzt, herauszufinden, was tatsächlich passiert. Welche Reaktionen wirklich kommen. Wie sehr sie mich berühren – oder eben nicht. Wie ich darauf reagiere, wie gut ich bei mir bleiben kann, wie sehr ich standhalte und was ich daraus lerne. „Raus damit“ ist für mich deshalb kein blinder Sprung, sondern eine neugierige Bewegung nach vorn.
Und ganz konkret gehört dazu auch eine Aufgabe, die lange auf mich gewartet hat: meine Masterarbeit endlich zu finalisieren und abzuschließen. Auch sie darf jetzt raus. Unperfekt vielleicht. Aber ehrlich. Und fertig. Raus damit.

Nicht alles ist laut. Vieles ist einfach da.
Für dieses Jahr nehme ich mir keinen ausgefeilten Vorsatz. Nur diesen einen Satz:
Raus damit.
Aus dem Bauch.
Ins Leben.
Vielleicht ist das auch eine Einladung an dich.
Was hältst du noch zurück, das eigentlich längst rauswill?
Wenn du merkst, dass da etwas in dir ist – ein Gedanke, ein Wunsch, eine Klarheit –, dann nimm dieses Motto ruhig mit. Und wenn du dir rund um SelbstwirkKRAFT, Führung und persönliche Entwicklung Begleitung wünschst, dann melde dich doch gerne unverbindlich bei mir.




Dein Artikel hat mich sehr berührt, und da meinen ersten ehrlichen Kommentar Dein Re Captcha nicht angenommen hat hier die Kursfassung. Vielen Dank fürs Mitnehmen, der Kommentar kommt dazu im Forum. Und alles Gute für Deine Masterarbeit!
Liebe Dana,
vielen lieben Dank für deinen Kommentar, hach ein bisschen neugierig bin ich ja wie der im Netz verschwundene Kommentar war. Ärgerlich. Danke für den Hinweis zum Captcha, habe das jetzt deaktiviert 🙂 Danke auch für deine ausführliche Rückmeldung in der Gruppe. Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend dir! Lorena