Eine Liebeserklärung ans Bauchgefühl

23 Mrz 2022 | Coachingthemen, Persönliches

Vor Kurzem habe ich beschlossen, dass ich meinem Bauchgefühl gerne einen Artikel widmen möchte. Auf meinem Instagram-Account poste ich immer mal wieder Denk-Impulse in Form von Fragen. Diese Fragen nehme ich dann auch selbst mit in mein Leben und schaue, was dazu für Gedanken entstehen. So auch bei meinem Denkimpuls „Wann hast du das letzte Mal auf dein Bauchgefühl gehört und es war genau richtig?“ Dabei fiel mir auf, dass ich zum Thema Bauchgefühl so einiges zu erzählen habe. Beim Schreiben dieses Artikels wurde mir dann klar, dass es sogar eine echte Liebeserklärung an mein Bauchgefühl ist. Eine Liebeserklärung, die es schon viel früher verdient hätte.

Entscheidungen sind Kopf… äh… Bauchsache… oder?

Dein Bauchgefühl liebt Dich. Und auf eines ist Verlass: Es meldet sich. Du musst nur zuhören. Und es lohnt sich, denn Du kannst dir immer sicher sein, dass es dein Bestes will. Und noch eine gute Nachricht: Es ist nie zu spät damit anzufangen, dem Bauchgefühl mal genau zuzuhören. Das geht jederzeit, insbesondere bei Entscheidungen.

Bei mir vergeht kein Tag, an dem mein Bauchgefühl nicht mitredet. Eigentlich ist es ständig dabei. Bei jeder Form von Themen kann ich mich darauf verlassen, dass mein Bauch auch eine Meinung dazu hat. Vielleicht ist es nicht immer ganz eindeutig verständlich, was er mir sagen will, aber in den meisten Fällen schon, wenn ich genauer hinhöre.

Das Bauchgefühl zeigt sich am liebsten dort, wo Entscheidungen anstehen. Da spüre ich dann, dass es sich „irgendwie komisch anfühlt“ oder „es sich genau richtig anfühlt“. Das kennst du wahrscheinlich auch. Bei mir passiert das jedenfalls ständig. Manchmal verändert es auch seine Richtung im Verlauf von Überlegungen, aber es ist jedenfalls immer mit von der Partie, mein Bauchgefühl. Und ich freue mich sehr, so einen klugen Berater an meiner Seite immer dabei zu haben. Es ist auch mein mutigster Anteil.

Dabei wird das Bauchgefühl oftmals verkannt. Häufig sind – insbesondere im wirtschaftlichen Kontext – Aussagen wie „Das Bauchgefühl ist bei rationalen Entscheidungen wohl eher kein guter Berater“ zu vernehmen. Ist das so? Ganz stimmen kann es nicht, wenn doch viele sehr erfolgreiche Menschen davon sprechen, dass sie ihre Entscheidungen oft anhand ihres Bauchgefühls und ihrer Intuition treffen. Dass sie gespürt haben, wohin es in Zukunft gehen wird und dementsprechend strategisch den einen oder anderen Weg wählten. Also was nun? Bauchgefühl ja oder nein?

 

Bauch oder Kopf?

Ich persönlich treffe Entscheidungen gefühlt ständig aus dem Bauch heraus und habe das bereits mein ganzes Leben gemacht. Nun möchte ich Dich dazu einladen Dir einmal zu überlegen, wie es bei Dir mit Entscheidungen so abläuft. Hier drei Beispiele:

Fall 1: Du sitzt in einem Restaurant, nimmst die Speisekarte zur Hand und wählst aus, was du essen möchtest.
Fall 2: Nach abgeschlossener Ausbildung geht es ins Berufsleben. Du bewirbst dich bei unterschiedlichen Firmen und glücklicherweise kannst du unter 3 zukünftigen Arbeitgeber*innen wählen.
Fall 3: Du bist Unternehmer*in und stehst vor dem nächsten Wachstumslevel. Jetzt entscheidest Du, in welche Richtung es weitergehen soll, wie groß Du werden willst und welche Struktur Du etablieren möchtest.

Was sind diese Beispiele nun? Kopf oder Bauchentscheidung? Ich kann mir schon denken, dass es für Dich gar nicht so leicht ist, diese Frage zu beantworten. Ich jedenfalls kann keine dieser Entscheidungen nur dem einen oder dem anderen zuordnen. Bei mir ist es immer ein Mix aus beidem: Der Kopf sorgt dafür, dass mein Bauchgefühl alle Informationen bekommt, um tatsächlich eine Entscheidung treffen zu können. Das Bauchgefühl sorgt dafür, dass nicht nur rationale Aspekte in die Entscheidungen einfließen, sondern auch mein Erfahrungsnetzwerk ein Wörtchen mitreden kann.

Bauch UND Kopf!

Mein Bauch ergänzt neben den gesellschaftlichen und eigenen Normen und Erwartungen zusätzlich den Faktor ICH als Mensch in Entscheidungen. Diese Variable wiederum ist meiner Meinung nach ganz wesentlich, um am Ende eine gute Entscheidung zu treffen. Denn die Entscheidung, die ich fälle, sollte doch vor allem für mich als Mensch die richtige sein. Mit all meinen Besonderheiten, Erfahrungen, in den Umwelten in den ich mich allein und mit anderen bewege, eben für mich und mein Leben. Da kann ich mich nicht nur auf rationale Faktoren verlassen. Auch wenn mensch tatsächlich manchmal das Gefühl hat, dass alles nur dann perfekt werden wird, wenn nur jeder Schritt im Ratgeber ganz exakt umgesetzt wird.

Eines ist klar: Entscheidungen sind immer individuell. Bei jeder Person ist es unterschiedlich, wie groß die Prise Rationalität oder Bauchgefühl dabei ist. Aus meiner Erfahrung aber sind Entscheidungen besonders gut, wenn wir es schaffen beides gut mit einzubeziehen. Denn unser Bauch – oder teilweise sogar der ganze Körper – und unser Kopf sind beides kluge Elemente, die uns helfen können, die für uns persönlich beste Entscheidung zu treffen. Sie geben uns wichtige Hinweise was für uns als ganzer Mensch bei einem Thema wichtig sein könnte. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass wir uns die Zeit nehmen hinzuhören und uns Mühe geben das Bauchgefühl zu verstehen. Das wiederum ist allein gar nicht so leicht. Insbesondere, wenn das letzte Mal Hinhören und Reinspüren schon sehr lange her ist. Dann kann man sich eine zweite Person als Begleitung dazuholen, um für die erste Zeit eine Dolmetscherin für die innere Stimme, die Intuition, das Bauchgefühl zu haben.

 

Dem Bauchgefühl zu vertrauen, lohnt sich  (und spart Zeit im Restaurant 😉 )

Auch wenn wir uns dabei nicht wohlfühlen, Entscheidungen treffen wir täglich und das ist gut so. Dabei gibt es keine per se schlechten Entscheidungen, wir ich finde. Schlechte Entscheidungen sind nur solche, die nicht getroffen werden. Denn dann nimmst du dir vorab bereits die Möglichkeit für den ersten Schritt, für eine neue Richtung. Also lassen wir das besser mit dem nicht Treffen der Entscheidung würde ich sagen. Wie langweilig wäre es sonst auch?

Ich liebe mein Bauchgefühl und welche klugen Entscheidungen es trifft. Allerdings höre ich nicht immer sofort darauf. Ich bin davon überzeugt, dass ich theoretisch, würde ich nur auf mein Bauchgefühl hören, in einem Restaurant bspw. ganz leicht und schnell bestellen könnte. Mache ich aber nicht. Wenn ich mit Freund*innen in ein Restaurant gehe, dann höre ich meist genau nicht auf meinen Bauch. Im Restaurant läuft es stattdessen meist so oder so ähnlich ab:

Ich habe schon den ganzen Tag richtig Lust auf ein leckeres Gratin. Wir setzen uns an einen Tisch, die Karten werden verteilt und ich kann mich nicht entscheiden. Es müssen wirklich immer alle auf meine Entscheidung warten und es ist mir immer unangenehm, aber das ist ein anderes Thema. Ich lese die gesamte Speisekarte durch, ein Mal, zwei Mal, Teile davon noch öfter. Warum? Weil ich für mich die absolut beste Option des Essens auswählen will.

Der innere Dialog geht dann in etwa so: „Ja gut, du hast Lust auf Gratin. Aber so was kannst du ja auch zu Hause unkompliziert machen. Schau doch mal, was es sonst noch so gibt. Nur wenn du alles einmal gesehen hast, kannst du wirklich wissen, was du essen magst. Nudeln? Ach nein, das essen wir ständig. Schau mal, das da wäre doch mal was ganz Anderes, was Neues. Oder das hier, wieso nicht mal einen Salat mit was Leckerem dazu? Ach nein, für Salat ist das ganz schön viel Geld. Das kann ich zu Hause mindestens genauso gut. Oder vielleicht doch lieber Pizza, obwohl die hatten wir letztens erst. Vielleicht ein Risotto! Ah nein, das mag ich ja nicht soooo  gerne.“ Und am Ende? Bestelle ich mir ein Gratin.

Kennt ihr solche Situationen? Oder geht es nur mir so? Ich dachte ja lange Zeit, dass mein Bauchgefühl da verrückt spielt. Aber dann habe ich irgendwann festgestellt, das stimmt gar nicht. Es ist in Wirklichkeit der Kopf, der dazwischenfunkt. Mein Bauchgefühl wusste schon vorher: Lust auf ein Gratin, mit Nudeln und Tomaten, Pilzen und vielleicht noch ein bisschen Trüffel dazu. Mmh lecker. Darauf hätte ich ja von Beginn an hören können. Dann funkt mir aber meine hyperanalytische Seite einfach dazwischen.

Mein Kopf ist nämlich meist überzeugt, dass nur solche Entscheidungen, die wirklich alle Möglichkeiten mit in Betracht ziehen, gut sind. Und das kann bei den kleineren Entscheidungen, wie bspw. der Speisewahl in einem Restaurant, tatsächlich mühsam werden. Wenn ich keine Lust auf dieses innere Hin und Her habe, dann gehe ich einfach in Restaurants, bei denen ich schon alle Speisen kenne und meine Favoriten habe. Oder in solche, die Tapas, Mezzes oder Currys anbieten und einem eine Auswahl unterschiedlicher kleiner Portionen servieren, ohne sie erst einzeln auswählen zu müssen.

Achte doch einmal darauf, versuche zu zählen, wie viele Entscheidungen Du bewusst und unbewusst jeden Tag triffst. Und worauf Du Dich beziehst, Kopf oder Bauch? Oder beides zusammen? Das eine mehr, das andere weniger? Oder gleich viel?

Vielleicht magst du die nächste Entscheidung – klein doer groß – direkt nutzen, um einmal genau hinzuhören: was sagt dein Bauchgefühl? Welche Bilder, Gefühle (Ängste? Vorfreude?…), Assoziationen, Erinnerungen schickt es dir? Was mag es dir wohl damit sagen? Und wie reagiert es und änder vielelicht sogar die Richtung, wenn du ihm neues „Futter“ präsentierst mit Hilfe deines Kopfes? Viel Spaß beim Bauchfühlen dir jedenfalls. Und wenn du die einen oder anderen Bauchgefühlmomente mit mir teilen magst, dann freue ich mich sehr, wenn du mir einen Kommentar da lässt 🙂

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