6 Fakten über limitierende Glaubenssätze

21 Mrz 2022 | Coaching

Mit limitierenden Glaubenssätzen kenne ich mich aus. Davon habe ich nämlich eine ganze Menge! Gefühlt bin ich ständig damit beschäftigt limitierende Glaubenssätze aufzudecken, zu ergründen, was dahinter verborgen liegt und sie in Kraftsätze umzuwandeln. Denn das ist etwas, was mir keiner abnehmen kann.  Wenn sie nicht von mir und aus mir heraus kommen, sind es nur „kluge Ratschläge“.  Vor allem jetzt mit meinem diesjährigen Motto „Ab durch die Decke“, bin ich auf dem Weg an die Decke gestoßen und musste sie erst mal verschwinden lassen. Ich arbeite auch mit meinen Kund*innen immer wieder an ihren limitierenden Glaubenssätzen. Und ob Du es glaubst oder nicht: Ihr Ruf ist schlechter, als sie tatsächlich sind. Denn sie erfüllen durchaus einen Sinn und können uns helfen, uns weiterzuentwickeln. In diesem Artikel teile ich mit Dir 6 Fakten über limitierende Glaubenssätze und zeige Dir ein paar von meinen.

1. Sie verstecken sich geschickt

Es ist ja nicht so, dass Glaubenssätze aus dem Nichts kommen, nur, um uns das Leben schwer zu machen. Nein, sie sind immer da, viele tragen wir bereits seit unserer Kindheit mit uns herum, aber sie verstecken sich geschickt. Und wann kommen sie heraus? Natürlich im unpassendsten Moment, so wie in diesem Jahr bei mir.  Mein diesjähriges Motto ist „ab durch die Decke“. Ich will weiterkommen mit meinem Business und habe mir sehr hohe Ziele gesteckt. Und ich liebe Herausforderungen, es macht mir Spaß neue Möglichkeitsräume zu entdecken. Aber… mit jedem Schritt, den ich mehr in Richtung Erfüllung meiner Herzensthemen, meiner Wünsche und Ziele gehe, desto mehr limitierende Glaubenssätze zeigen sich.  Ist das ungewöhnlich? Nein, ganz und gar nicht. Denn Glaubenssätze repräsentieren die Wahrheit, die wir bisher gelebt haben. Und nun, wenn wir uns weiterentwickeln, dürfen wir uns von einigen verabschieden, die einfach nicht mehr zu unserem inneren Wachstum passen.

2. Sie zeigen sich immer im unpassendsten Moment

Und zwar genau dann, wenn wir uns weiterentwickeln, gerade aus unserer Komfortzone treten und es gar nicht gebrauchen können, dass sich eine kleine Stimme meldet, die uns aufhalten will. Aber sie melden sich aus einem triftigen Grund.  Denn es ist nicht so, dass Glaubenssätze für uns keine Funktion erfüllen würden.  Sie helfen uns dabei, unsere Wirklichkeit zu reduzieren und durch einen Filter leichter wahrzunehmen.  Sie unterstützen uns dabei, Entscheidungen zu treffen.  Sie sind die Essenz von Lernerfahrungen, die wir im Verlauf unseres Lebens gemacht haben.  Insbesondere solche, in denen wir uns nicht so wohlgefühlt haben.  Sie haben die Aufgabe, uns davor zu bewahren, erneut eine ähnlich ungute Erfahrung zu erleben.  Und sie zeigen uns auch, was uns wichtig ist.  Aber wenngleich sie uns in bestimmten Kontexten gute Dienste geleistet haben, heißt das nicht, dass diese limitierenden Glaubenssätze für alle Situationen und bis in alle Ewigkeit wahr sein müssen. 

3. Glaubenssätze sind Schatzkisten, wenn wir genau hinsehen

Meistens erzählen sie uns etwas über uns wichtige Bedürfnisse.  Wir können sie wahrnehmen, evtl. aufschreiben und schauen, was da drin steckt.  Bspw. das Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz in einer bestimmten Situation, die wir schon einmal erlebt haben und nicht wieder erleben möchten.  Gleichzeitig kann es aber auch etwas sein, das uns gesellschaftlich geformt hat.  D.h. etwa Glaubenssätze dahin gehend, dass es nicht gut ist, Geld zu verdienen, weil man bisher nur wenig freundliche Menschen mit viel Geld kennengelernt hat.  Oder, dass man sich nicht darüber freuen darf, erfolgreich zu sein, wenn es nicht allen anderen auf der Welt auch gut geht.  Oder auch, dass wir als Frau* die Rolle der „Fürsorglichen“ und als Mann* die Rolle des „harten Kerls“ als einen allgemeinen Standard verinnerlicht haben.

Ich möchte Dir zur Veranschaulichung gerne ein paar limitierende Glaubenssätze von mir zeigen, die ich kürzlich identifiziert und damit gearbeitet habe:

  • Ich verdiene es nicht, erfolgreich zu sein
  • Ich muss zuerst auf die Gefühle anderer achten
  • Wenn ich herausrage, sorge ich dafür, dass andere sich schlecht fühlen
  • Ich und alles, was ich tue, muss jedem gefallen.

Puh. Wenn ich diese Sätze jetzt lese, fühle ich mich sofort ganz klein. Und ich kann jetzt nicht mehr nachvollziehen, wie ich so lange damit durchs Leben gehen konnte, ohne, dass es mir je bewusst gewesen wäre.

4. Sie haben eine Schutzfunktion

Ich habe mir diese limitierende Glaubenssätze genauer angeschaut und mir die Frage gestellt, welche Funktion sie für mich übernommen haben. Ich wollte wissen, welche Bedürfnisse dahinterstecken und wie sie entstanden sind. Also bin ich neugierig daran gegangen. Ganz so, wie ich auch an mir unbekannte Menschen herantrete, die ich neu kennenlernen möchte. Dabei habe ich herausgefunden, dass ich in meiner Jugend und Kindheit verschiedene Erfahrung gemacht habe, die den Grundstein für diese Glaubenssätze gelegt haben.

Etwa der Glaubenssatz „ich verdiene es nicht, erfolgreich zu sein“. Hier war ich der Überzeugung, dass ich alles perfekt machen muss, damit ich es verdiene erfolgreich zu sein. Ich war davon überzeugt, dass ich nur fehlerfrei ein erfolgreicher Mensch sein kann. Außerdem steckte hier noch eine weitere Falle drin, die ich mir selbst gestellt hatte. Wer entscheidet in Schule und Studium, wann etwas fehlerfrei ist? Genau. Andere. D.h., ich habe darauf gewartet, dass jemand anderer mir hierfür eine Erlaubnis erteilt. Die Absolution, dass ich erfolgreich sein darf. Na, da hätte ich noch lange darauf warten können.

Schauen wir uns noch einen meiner limitierenden Glaubenssätze an. „Wenn ich herausrage, sorge ich dafür, dass andere sich schlecht fühlen.“ Was steckt hier dahinter? In meiner Schulzeit – ich weiß nicht, wie es heute ist – war es häufig so, dass es nicht sehr gerne gesehen war, wenn man herausstach. Weder bei den Lehrer*innen (mit vereinzelten Ausnahmen), noch bei den Klassenkamerad*innen. Insbesondere wenn etwas leicht fiel, zu viel Begeisterung bei einer Aufgabe dabei war oder wenn man andere Argumentationslinien und Ansätze anbrachte. Alles was nicht im normalen, „braven“ Mittel lag, fiel negativ auf. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn ich ganz frei so bin, wie ich bin, dann führt es dazu, dass Menschen um mich herum sich dadurch schlechter fühlen UND ich mich ablehnender Haltungen gegenübersehe. Um das zu vermeiden, habe ich dann begonnen, dieses Auffallen zu unterdrücken. Damit andere sich nicht meinetwegen schlecht fühlen.

5. Limitierende Glaubenssätze sind das Saatgut für Kraftsätze

Nachdem man verstanden hat, was für einen Zweck die Glaubenssätze erfüllen und woher sie stammen, kann man nun seine Geschichte neu schreiben. Aus limitierenden Glaubenssätzen werden bestärkende Kraftsätze. Und das ist oft gar nicht so leicht. Das, was mir dabei hilft, ist, mir vorzustellen, was ich zu einer*einem besten Freund*in sagen würde, wenn sie*er mir berichtet, warum sie*er diese Glaubenssätze hat. Mit diesem kleinen Perspektivenwechsel können wir häufig ganz viel bewirken. Der Prozess des Umformulierens in Kraftsätze ist dabei sehr heilsam. Es geht auch nicht von jetzt auf gleich. Vielmehr braucht es einige Versionen, bis wir damit in Resonanz gehen können. Ob eine Formulierung passt, das lässt sich übrigens unkompliziert überprüfen: Einfach den Satz laut und mit Überzeugung vorlesen. Am besten gleich vor dem Spiegel.

Meine limitierenden Glaubenssätze wurden nach diesem Prozess zu den folgenden Kraftsätzen.

  • Ich mache Großartiges für andere – Ich verdiene es, erfolgreich zu sein.
  • Ich MUSS niemanden ermutigen außer mit selbst.
  • Wenn ich herausrage, kann ich andere inspirieren, wenn sie möchten.
  • Nicht jeder muss mich und was ich mache mögen. Aber die richtigen Menschen werden es tun.

Und DAS lese ich mir gerne durch.

Es kann passieren, dass wir Glaubenssätze haben und nicht so richtig darauf kommen, was dahintersteckt. Oder dass wir keine für uns passende Formulierung für einen guten Kraftsatz finden. Dann kann es u.U. hilfreich sein, sich diesem Thema mit einer Unterstützung zu widmen. Manchmal fehlt nur der Blick von außen, um uns die Augen zu öffnen. Die Glaubenssätze, die ich hier als Beispiel angeführt habe, habe ich nicht allein „erfunden“. Sie haben sich in meinem Business Coaching gezeigt und ich habe sie mit meiner Coachin bearbeitet. Das ist für mich stimmig. Denn es geht so für mich schneller und geht tiefer.

6. Wenn sie gehen, beginnt unsere Weiterentwicklung

Nun haben wir Kraftsätze formuliert. Aber, Du hast es Dir vielleicht schon gedacht, das reicht noch nicht aus, um sich von den limitierenden Glaubenssätzen zu befreien. Sie begleiten uns unter Umständen bereits ein ganzes Leben lang. Die haben es sich in unserem Kopf und Leben so richtig schön gemütlich gemacht. Also müssen wir einen Weg finden, sie wertschätzend zu verabschieden. Denn erst, wenn sie gehen, dann beginnt unsere wirkliche Weiterentwicklung.  Am einfachsten geht ein indirektes Hinaus komplementieren: Erweitere Stück für Stück Deinen neuen Möglichkeitsraum mithilfe der Kraftsätze. Lass ihn wachsen und lass sie immer mehr Raum einnehmen. Und Du wirst sehen, dass die limitierenden Glaubenssätze, sobald sie nicht mehr im Mittelpunkt Deiner Aufmerksamkeit stehen sich recht bald verabschieden und gehen werden.

Hier ist etwas, das für mich und viele meiner Coachees und Trainingsklient*innen gut funktioniert: Formuliere die Kraftsätze und platziere sie so, dass Du sie häufig ansehen und durchlesen kannst. Idealerweise auch so, dass Du sie auch gerne ansiehst. Du kannst sie auch künstlerisch zeichnen, oder vielleicht hast Du auch ein Bild im Kopf oder ein Symbol, das sie für Dich verkörpert.  Meine habe ich über meinem Schreibtisch hängen, bzw. neben meinem Bildschirm.  Jedes Mal, wenn ich auf meine Uhr schaue, dann sehe ich diese Kraftsätze und lese sie durch.  So festigen sie sich und die limitierenden Glaubenssätze rücken immer weiter in den Hintergrund.

Gib Deinen Kraftsätzen Raum in Deinem Leben. Nur dann können sie ihre Kraft auch entfalten. Beschneide sie nicht sofort, nachdem Du sie formuliert hast. Gieße sie, lass sie wachsen und zelebriere diese neuen Möglichkeiten, die Du findest.

 

 

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