Gesellschaft & Wandel

Organisationen existieren nicht im luftleeren Raum. Hier geht es um gesellschaftliche Entwicklungen, Systeme, Normen und die Frage, wie Veränderung entsteht.

Emirbayer & Desmond — The Racial Order und das Feld der Rasse

Wie lässt sich die gesamte Komplexität von Rasse in einer systematischen Theorie erfassen? Mustafa Emirbayer und Matthew Desmond verbinden Bourdieus Feldtheorie mit Durkheims Kultursoziologie — und entwickeln das bisher umfassendste soziologische Modell der…

Omi & Winant — Racial Formation und die soziale Konstruktion von Rasse

Rasse ist nicht biologisch — aber sie ist real. Sie wurde über Jahrhunderte konstruiert, durch Wissenschaft, Religion, Politik und Recht. Und sie strukturiert bis heute die amerikanische Gesellschaft. Michael Omi und Howard Winants Theorie der Racial Formation erklärt…

Critical Race Theory — Rassismus als Struktur, nicht als Ausnahme

Rassismus ist kein Ausreißer, keine persönliche Einstellung einzelner schlechter Menschen. Er ist normal, strukturell eingebettet und wird durch Institutionen — besonders das Recht — reproduziert. Das ist die Kernthese der Critical Race Theory. 1. Kurzgefasst Critical…

Edward Said (1935–2003): Orientalismus und die Macht des Wissens

Wie entsteht das Bild des Anderen? Und warum dient dieses Bild immer den Interessen derer, die es erschaffen? Edward Said (1935–2003) analysierte, wie der Westen den Orient erfunden hat — und warum diese Erfindung bis heute politische Konsequenzen hat. 1. Kurzgefasst…

Raewyn Connell: Hegemoniale Männlichkeit und die Struktur von Gender

Raewyn Connell: Hegemoniale Männlichkeit und die Struktur von Gender

Warum dominieren Männer — und welche Männer? Raewyn Connell (1944–) zeigt: Nicht alle Männer profitieren gleich von patriarchalen Strukturen. Gender hat eine interne Hierarchie — und diese Hierarchie ist das, was sie hegemoniale Männlichkeit nennt. 1. Kurzgefasst…

Feministische Theorie: Grundfragen, Wellen und klassische Wurzeln

Feministische Theorie: Grundfragen, Wellen und klassische Wurzeln

Feministische Theorie beginnt mit einer deceptiv einfachen Frage: Und was ist mit den Frauen? Diese Frage hat die Soziologie revolutioniert — und zeigt, dass vermeintlich universelles Wissen oft nur das Wissen einer privilegierten Gruppe ist. 1. Kurzgefasst…

Bourdieu (1930–2002): Habitus, Feld und die Logik der Praxis

Bourdieu (1930–2002): Habitus, Feld und die Logik der Praxis

Warum wählen Menschen aus der Arbeiterklasse selten klassische Musik — und warum fühlt sich das für sie nicht wie eine Einschränkung an, sondern wie eine echte Präferenz? Pierre Bourdieu (1930–2002) gab darauf eine Antwort, die Subjektivismus und Objektivismus…

Archer (1943–): Kultur, Agency und der analytische Dualismus

Archer (1943–): Kultur, Agency und der analytische Dualismus

Giddens hat Struktur und Agency so eng zusammengedacht, dass man sie kaum noch auseinanderhalten kann. Margaret Archer (1943–) widerspricht: Wer beides immer zusammen analysiert, kann nicht sehen, wie das eine das andere beeinflusst — und verdeckt dabei, wie…

Giddens (1938–): Strukturationstheorie

Giddens (1938–): Strukturationstheorie

Sind Menschen Produkte gesellschaftlicher Strukturen — oder erschaffen sie diese Strukturen selbst? Anthony Giddens (1938–) lehnt beide Antworten ab. Struktur und Handeln sind keine Gegensätze — sie sind zwei Seiten derselben sozialen Praxis. 1. Kurzgefasst…

Emerson (1925–1982): Integrierte Austauschtheorie und Power-Dependence

Emerson (1925–1982): Integrierte Austauschtheorie und Power-Dependence

Wer hat in einer Beziehung die Macht? Und warum? Richard Emerson (1925–1982) gab eine strukturelle Antwort: Macht entsteht nicht aus Persönlichkeit oder Stärke — sie entsteht aus Abhängigkeit. Wer weniger abhängig ist, hat mehr Macht. Das gilt für Menschen genauso wie…

Homans (1910–1989): Austauschtheorie und die Logik sozialen Handelns

Homans (1910–1989): Austauschtheorie und die Logik sozialen Handelns

Warum helfen Menschen einander? Warum bleiben manche Beziehungen bestehen und andere zerbrechen? George Caspar Homans (1910–1989) gab eine nüchterne Antwort: weil es sich lohnt. Seine Austauschtheorie erklärt soziales Verhalten durch Belohnungen, Kosten und die Logik…

Garfinkel (1917–2011): Ethnomethodologie und die Kunst des Alltags

Garfinkel (1917–2011): Ethnomethodologie und die Kunst des Alltags

Wie schaffen wir es jeden Tag, miteinander auszukommen? Wie entsteht soziale Ordnung in jedem einzelnen Gespräch, an jedem Küchentisch, in jeder U-Bahn? Harold Garfinkel (1917–2011) stellte diese Frage radikal neu — und fand die Antwort im Alltag selbst. 1….

Symbolischer Interaktionismus: Wie Bedeutung soziales Handeln formt

Symbolischer Interaktionismus: Wie Bedeutung soziales Handeln formt

Menschen handeln nicht auf Dinge — sie handeln auf die Bedeutung, die Dinge für sie haben. Diese schlichte Einsicht ist das Fundament des symbolischen Interaktionismus. Eine amerikanische Flagge verbrennen oder sie grüßen — beide Handlungen folgen derselben Logik:…

Giddens (1938–): Der Juggernaut der Moderne

Giddens (1938–): Der Juggernaut der Moderne

Stell dir einen riesigen Truck vor, so groß wie die Titanic, der durch eine belebte Stadtstraße rast. Menschen steuern ihn — aber sie können ihn nicht vollständig kontrollieren. Er bringt wichtige Güter. Er kann jeden Moment außer Kontrolle geraten. Anthony Giddens…

Luhmann (1927–1998): Systeme, die sich selbst erschaffen

Luhmann (1927–1998): Systeme, die sich selbst erschaffen

Niklas Luhmann (1927–1998) ist einer der einflussreichsten Sozialtheoretiker des 20. Jahrhunderts — und einer der schwierigsten. Sein Werk ist ein radikaler Neuansatz: Gesellschaft besteht nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation. Systeme erschaffen sich selbst….

Mills (1916–1962): Macht, Elite und soziologische Imagination

Mills (1916–1962): Macht, Elite und soziologische Imagination

C. Wright Mills (1916–1962) war kein bequemer Denker. Er kritisierte die amerikanische Gesellschaft von links, ohne je Marxist zu sein. Er kritisierte Parsons‘ Großtheorie als leeres Begriffssystem. Er kritisierte Umfrageforschung als methodischen Tunnelblick….

Dahrendorf (1929–2009): Autorität, Konflikt und sozialer Wandel

Dahrendorf (1929–2009): Autorität, Konflikt und sozialer Wandel

Gesellschaft ist kein harmonisches System, das nach Gleichgewicht strebt — sie ist ein Schauplatz permanenter Auseinandersetzung. Ralf Dahrendorf (1929–2009) entwickelte die Konflikttheorie als direkte Gegenbewegung zum Strukturfunktionalismus und stellte dessen…

Merton (1910 – 2003): Wenn Strukturen nicht funktionieren

Merton (1910 – 2003): Wenn Strukturen nicht funktionieren

Robert Merton (1910–2003) war Parsons‘ Schüler — aber kein unkritischer. Er übernahm den strukturfunktionalistischen Rahmen und schärfte ihn: Strukturen haben nicht nur Funktionen, sie haben auch Dysfunktionen. Nicht alles was existiert, ist notwendig. Nicht…

Parsons (1902 – 1979): Wie Gesellschaft funktioniert und sich erhält

Parsons (1902 – 1979): Wie Gesellschaft funktioniert und sich erhält

Wie ist soziale Ordnung möglich? Das war die zentrale Frage von Talcott Parsons (1902–1979) — und er widmete ihr sein gesamtes akademisches Leben. Seine Antwort ist das systematischste und ambitionierteste Theoriegebäude des 20. Jahrhunderts: ein Versuch, alle Ebenen…

Du Bois (1868–1963): Rasse, Schleier und doppeltes Bewusstsein

Du Bois (1868–1963): Rasse, Schleier und doppeltes Bewusstsein

W. E. B. Du Bois (1868–1963) stellte die Frage: Was bedeutet es, in einer Gesellschaft zu leben, die dich als minderwertig definiert? Seine Antwort war theoretisch präzise, politisch radikal und persönlich gelebt. Du Bois legte das Fundament für eine Soziologie der…

Mead (1863 – 1931): Selbst, Geist und soziales Handeln

Mead (1863 – 1931): Selbst, Geist und soziales Handeln

George Herbert Mead (1863–1931) begann dort, wo die Psychologie aufhörte: beim sozialen. Denken, Selbst und Handeln sind für ihn keine individuellen Phänomene — sie entstehen in der Interaktion, durch Sprache, durch die Reaktionen anderer. Mead legte das Fundament für…

Veblen (1857–1929): Business, Industrie und die Logik des Konsums

Veblen (1857–1929): Business, Industrie und die Logik des Konsums

Thorstein Veblen (1857–1929) fragte: Warum konsumieren Menschen mehr, als sie brauchen, und wer profitiert davon? Seine Antwort verband Produktionstheorie mit Konsumtheorie. Veblen war der erste klassische Sozialtheoretiker, der Konsum genauso ernst nahm wie…

Weber (1864 – 1920): Sinn, Rationalität und ein stahlhartes Gehäuse

Weber (1864 – 1920): Sinn, Rationalität und ein stahlhartes Gehäuse

Max Weber (1864–1920) stellte eine Frage, die bis heute unbequem ist: Warum hat der moderne Westen eine Gesellschaftsform hervorgebracht, die so effizient wie ein Uhrwerk funktioniert und den Menschen dabei in ein Gehäuse aus Regeln und Verfahren einschließt? Seine…

Was ist soziologische Theorie? Eine Einführung

Was ist soziologische Theorie? Eine Einführung

Wir alle theoretisieren, jeder Mensch, über unsere Familien, unsere Gesellschaft, die Welt. Soziologische Theorie macht eigentlich genau dasselbe, nur systematischer, auf breiterer Basis und mit dem Anspruch, allgemeine Muster zu erklären. Was unterscheidet…

Zwei schmale, sich gabelnde Pfade führen durch eine offene grüne Wiesenlandschaft mit sanften Hügeln im Hintergrund.

Wer gilt als talentiert? Über Leistung, Herkunft und Anerkennung

Stell dir folgende Situation vor: Vor dir stehen zwei Musiker*innen. Ein Kind, etwa zehn Jahre alt, spielt ein Instrument technisch sauber, präzise, beeindruckend. Daneben eine erwachsene Person, die dasselbe Stück auf vergleichbarem Niveau spielt. Wem würdest du…

Vier Menschen unterschiedlichen Alters gehen gemeinsam von hinten sichtbar einen Weg durch eine grüne Landschaft. Das Bild steht symbolisch für Begleitung, Zusammenhalt und den gemeinsamen Weg nach einer Demenzdiagnose.

Diagnose Demenz: Warum uns das alle angeht

Was passiert eigentlich nach einer Demenzdiagnose? Diese Frage stand im Zentrum der Online-Tagung „Diagnose Demenz – Da gibt es viel zu tun…“, die im Jänner vom DemenzNetzwerk Österreich durchgeführt wurde. Diese Frage trifft einen Nerv, der weit über das…

Nachhaltigkeit vs. Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit vs. Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein Begriff der zum täglichen Sprachgebrauch gehört. Und dennoch gibt es immer wieder Verständnisschwierigkeiten, denn der Begriff hat in unterschiedlichen Kontexten verschiedene Bedeutungen. Der größte Unterschied dabei ist wohl jener zwischen…

Was ist die „Ottawa Charta“?

Was ist die „Ottawa Charta“?

Die Charta ruft zum aktiven Handeln für das Ziel „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ und darüber hinaus auf. Die teilnehmenden Staaten verpflichteten sich zum aktiven Handeln, um dieses Ziel zu erreichen. Im Fokus stand dabei insbesondere die Entwicklung einer…